|
Von den Zwillingen Mark und Gerd haben wir hier auch ihren interessanten Marokko-Bericht eingestellt. Ende 2004 sind sie mit Ihren Adventure 640 aufgebrochen, um Südafrika über die östlichen Staaten des schwarzen Kontinents zu erreichen. Die KTMs wurden von uns bestmöglich auf die zu erwartenden Strapazen vorbereitet. Dass aber das meiste einfach nicht vorhersehbar ist, zeigt der folgende Bericht, den wir zum größten Teil von unterwegs per E-Mail erhielten. Inzwischen sind die beiden Helden wieder zu Hause und ich habe das Material über den letzten Teil der Reise hier aufgearbeitet. Bilder mit blauen Untertiteln kann man per Klick vergrößern. Über Reaktionen auf den Bericht, Anregungen oder Hinweise auf Fehler usw. würden wir uns freuen. Die e-mail-Adresse von Mark u. Gerd: rettschlag55@aol.com. Die Seite wurde erstellt von Stefan Matros: mtb@mt-b.net.
Von Mark und Gerd Rettschlag
Wie kommt man auf die Idee, Afrika mit dem Motorrad zu durchqueren?
Eines Abends nach einem schönen Motorradfahrtag in den Alpen lagerten wir am Lago di San Giacomo di Fraele und quatschten über Gott und die Welt. Immer nur am Wochenende die Freiheit auf zwei Rädern zu erleben genügte uns nicht mehr. Zumal der allsonntägliche Abschied während der gemeinsamen zwei Tage immer wie eine dunkle Wolke über uns schwebte. Das Fernweh wurde mit jedem Schluck Roten stärker. So fing einer an, laut über die Möglichkeit einer längeren Reise nachzudenken. Der andere war von dieser Idee begeistert und nahm sie sofort auf, so dass heute nicht mehr gesagt werden kann, wer der eine und wer der andere war.
|

|
|
vor der Abfahrt
|
|
Unsere bisherigen Reisen führten uns über Norwegen zum Nordkap, nach Schottland, Schweden, Fuerte Ventura, die Türkei und letztendlich nach Marokko. Den Sommer über halten wir uns nun seit ich in München arbeite und Mark am Lago Maggiore forscht mit Kurztrips durch die Alpen in den Sätteln unserer KTM’s über Wasser.
Die große Reise sollte nicht gleich mit einer teuren Schiffspassage beginnen, so bleiben nur noch Asien und Afrika für den Anfang übrig. Wochenende für Wochenende spinnen wir nun den Faden der großen Fahrt weiter. Der Reiseroman “Das Morgenland ist fern" entführt uns als erstes nach Asien. “Jupiters Fahrt" umrundet gar den ganzen Kontinent, und “Die Wüstenfahrer" durchqueren die Sahara. Der schwarze Kontinent kann sich später doch durch setzen. Es scheint als hätten wir uns in Marokko mit dem Afrikavirus infiziert.
Mit dem Kauf von drei Übersichtskarten des vergessenen Kontinents zementiert sich unser Plan immer mehr. Erste Routenplanungen werden gemacht und wieder verworfen, neugeplant und verworfen. Doch unser Entschluss steht fest. Wenn Marks Vertrag in Ispra am 30.06.2004 ausläuft, dann werde auch ich meinen Job kündigen.
An Weihnachten 2003 erzählen wir unseren Eltern von unserem Plan. Sie sind nicht begeistert.
Langsam beginnen die Anschaffungen für die Reise. Zu Weihnachten gab’s schon ein tauglicheres Zelt. Viele Dinge, die auf unseren vorigen Abenteuern erprobt haben, werden aber auch wieder mit von der Partie sein.
Beim Tropeninstitut in München erkundige ich mich über nötige Impfungen und Malariaprophylaxe. Im Laufe der Zeit bekommen wir Impfungen gegen Gelbfieber, Tollwut, Hepatitis A und B, Tetanus, Diphtherie, Polio, Typhus und Meningitis. Gegen Malaria wird uns Lariam empfohlen.
Auch unsere KTM Adventures brauchen einige fernreisetaugliche Umbauten. Mein gutes Stück streikt schon seit längerer Zeit immer wieder. Unser KTM-Händler in Italien hat eine 2003er Adventure im Laden zu stehen. Er würde meine gegen seine tauschen. Das ganze Vorhaben zerschlägt sich später aber an der italienischen Bürokratie, da er meine KTM in Italien nur schwer zugelassen kriegen würde. Da hilft uns unser Händler in Lichterfelde. Er findet eine 2003er Adventure in Fürstenberg bei einem Händler. Nach telefonische Rücksprache bringe ich im Mai meine KTM mit nach Hause und tausche sie dann gegen die 2003er bei dem Händler. Die hohe Kilometerleistung und der Marokkoeinsatz sowie die Motorprobleme fordern aber einen hohen Preis.
Mark seine gute bekommt eine Motorrevision spendiert. Bei der auch eine dickere Zylinderfußdichtung eingebaut wird, um so die Verdichtung etwas herunter zu nehmen, um sie für das Benzin in Afrika fit zu machen. Rallyekupplungsfedern, ein härteres Federbein und ein zweiter Lüfter werden in beiden Maschinen eingebaut. Über Ebay ersteigere ich einen Rallyemotorschutz mit Wasser- und Werkzeugfach. Dieser wird an Marks KTM montiert. Nun sollten sie für unser Vorhaben gerüstet sein.
Ende März 2004 kündige ich meinen Job, meine Wohnung und meinen Parkplatz. Nun gibt’s kein zurück mehr.
Mit jeder Tour nach Hause werden nun schon Sachen aus Marks oder meiner Bude mitgenommen.
Unsere Reiseroute steht mittlerweile fest. Wir fahren über Deutschland, Tschechien, Österreich, die Schweiz nach Italien, von der Ferse mit der Fähre nach Griechenland, weiter in die Türkei, durch Syrien, Jordanien, Ägypten, den Sudan, Äthiopien, Kenia, Tansania, Sambia, Namibia nach Kapstadt in Südafrika. Eine Route über Libyen wurde wegen deren Einreisevorschriften verworfen. Zirka ein Jahr wollen wir uns bis Kapstadt Zeit lassen.
Seit dem 30.06.2004 sind wir zur generellen Vorbereitung wieder zu Hause in Schwedt. Wir vervollständigen unsere Ausrüstung und kümmern uns um die Visa für Syrien, Jordanien, Ägypten, den Sudan und Äthiopien. Das Sudanvisum ist als erstes dran, da hier die Bearbeitungszeit am längsten ist.
Eine viertägige Reise durch Polen, bei der wir bis an die Ukrainische Grenze fahren und gut 3000 km abspulen dient als Generalprobe für Mensch und Maschine.
Der 5. September 2004 steht nun als Starttermin fest.
Am Nachmittag des 15. Augusts 2004, drei Wochen vor dem Abfahrtstermin, machen wir eine kleine Crosstour durch die nähere Umgebung. Sie endet in einem Graben unter einer Brücke der neuen B2. Auf einem Wirtschaftsweg lassen wir es so richtig krachen. Dieser endet aber plötzlich vor besagten Graben. Mark kann nicht mehr Anhalten und stürzt hinein. Mir ergeht es fast genauso, denn dicht an seinem Hinterreifen klebend stand ich ihm in nichts nach. Doch mir gelingt das Unmögliche. Ich schaffe es vor dem Graben das Motorrad aus der Bahn zu bringen und zu stoppen. Im ersten Moment sehe ich Mark gar nicht. Ich denke er hat die Kurve gekriegt und ist schon weiter. Doch dann entdecke ich ihn an der gegenüber liegenden Böschung. Auf mein Rufen bewegt er sich nicht. Schnell renne ich um den Graben herum. Auch als ich endlich bei ihm bin, regt er sich noch immer nicht. Vorsichtig setze ich ihm die Crossbrille ab, dann blinkt er endlich mit den Augen und die Verkrampfung um mein Herz löst sich etwas.
Am Ende stellt sich im Krankenhaus heraus, dass er sich die rechte Hand ausgerenkt hat und sich einen Handwurzelknochen (Kahnbein) gebrochen hat.
Der Knochen wird mit einer Schraube repariert und die Hand mit samt dem Unterarm und dem Ellbogen in Gips gelegt. Vier bis sechs Wochen soll der nun erst mal drum bleiben. Unser Abfahrttermin verschiebt sich somit um einige Wochen nach hinten, denn wir sind nicht gewillt die Reise deswegen abzusagen, wie viele Familienmitglieder hofften.
Vier Wochen später macht er sich den Gips ab. Das Handgelenk kann er gar nicht bewegen, aber das ist auch nicht verwunderlich bei der langen Ruhezeit. Bei einem letzten Check wird festgestellt, dass die Schraube nicht 100% so sitzt wie sie sollte. Eine weitere Operation lehnt Mark ab.
Der neue Abfahrtstermin wird auf den 15.Oktober 2004 festgelegt.
Schon am 28.September 2004 macht Mark die erste Probefahrt. Nun sind wir zuversichtlich den neuen Termin auch zu halten.
So machen wir uns daran, die letzten Visa zu besorgen und die letzte Impfung. Während einer Visabeschaffung treffen wir uns in Berlin mit Stefan Rücker. Er war schon einmal vier Monate mit einer KTM in Westafrika unterwegs. Während seiner Erzählungen steigt die Vorfreude in mir ins Unermessliche.
Afrika ruft
Kaum zu glauben, aber wir sind tatsächlich am 15. Oktober zu unserer bisher größten Reise aufgebrochen. Ist wirklich alles richtig vorbereitet? Wird Mark mit seiner Hand fahren können? Die und noch viele anderer Fragen und Zweifel gehen uns nach dem tränenreichen Abschied durch den Kopf. Aber auch das gute Gefühl unterwegs zu sein auf diesem alle Grenzen sprengenden Trip ans Kap der Guten Hoffnung.
Heute wollen wir der Oder Neiße Friedensgrenze bis nach Görlitz folgen. Hier treffen wir Robert, Gerds Studienkumpel, der uns in seiner Wohnung ein erstes Obdach gewährt. Den Abend verbringen wir Biker gerecht.
Nach einem späten Frühstück besuchen wir noch kurz Kathrin, eine Studienfreundin von Gerd, in Hainewalde, bevor wir im Dreiländereck das erste Mal die Pässe zücken. Nachdem der Durst der Katis in Polen gelöscht wurde geht’s gleich über die nächste Grenze nach Tschechien weiter. Auch heute ist das Wetter wieder trübe und so verbringen wir die Nacht in einem urigen Gasthaus.
|

|
|
Campingidyll bei Siena - Gerd beim Tagebuch schreiben
|
|
Auch am dritten Tag heißt es wieder Pässe zücken, an der Grenze zu Österreich. Die Alpen empfangen uns mit herrlichen Sonnenschein, klarer Sicht auf die herrliche Landschaft und barbarischer Kälte. Selbst in den dicken Handschuhen werden langsam aber sicher die Finger steif. Als Mark bei einer Pause an einer Tankstelle sieht, wie ein Tankwart Frostschutzmittel in die Eimer zum Scheiben waschen kippt, steht für uns beide fest, auch diese Nacht wieder im Hotel, und nicht im Zelt zu schlafen. Kurze Zeit später sitzen wir an einem herrlichen warmen Kacheloffen und genießen die Wärme und das Abendessen.
Am nächsten Morgen ist Eis auf den Motorradsitzen. Das motiviert ja nun nicht gerade für die anstehende Überquerung der hohen Tauern. Doch auf der anderen Seite der Alpen liegt Tirol und Norditalien, dort kann es unmöglich auch so kalt sein, machen wir uns gegenseitig Mut und warme Gedanken. Und tatsächlich begrüßt uns auf der Alpensüdseite herrlich warme mediterrane Luft. Die Bauern bringen hier gerade ihre Weinernte ein, und so sind auf den kurvenreichen Straßen jede Menge mit Weintrauben beladene Traktoren unterwegs. Der Anblick der süßen Fracht taut uns vollends auf.
Heute wollen wir nach ein paar Pässen das erstemal unser Zelt und den Laptop unter Feldbedingungen testen. Beide bestehen den Test, hoch auf einer abgelegenen Almwiese.
Eine Tasse Kaffee am nächsten Morgen belebt die müden Lebensgeister und wir schwingen locker bis zu Marks Kumpel Jan am Lago Maggiore.
Hier lagern noch zwei Sätze Michelin Deserts, die wir bis nach Assuan mitschleppen wollen, denn die jetzt monierten Straßenenduropneus, Marke Pirelli Scorpian, werden dann wohl am Ende sein. Nachdem am nächsten Morgen alles aufgepackt ist heißt es wieder mal Abschied nehmen.
|
|
|
Abendstimmung - Unsere Motorräder neben einer alten Kate
|
|
Weiter geht es durch Marks ehemalige Wahlheimat. Auf kleinen Straßen durchqueren wir eine nebelige Poebene. Erst in den Bergen des Appenin sehen wir die Sonne wieder. Herrlich so im Spätsommer auf kleinen und kleinsten Straßen durch Italien zu cruisen. Ab Siena folgen wir den Spuren der römischen Legionen auf der alten Via Cassia bis nach Rom. Die ewige Stadt lassen wir abseits des Weges liegen, denn uns steht so am Anfang der Reise nicht der Sinn nach Sightseeing. Ab Rom folgen wir der alten Heerstraße Via Casilina vorbei am Monte Casino nach Neapel. Zu Füßen des Vesuvs geraten wir in den dichten Süditalienischen Straßenverkehr.
Doch schließlich finden wir die gesuchte Autobahnauffahrt, und können dem Getümmel in Richtung Brindisi entfliehen. Von Brindisi aus wollen wir mit einer Fähre nach Igoumenitsa in Griechenland übersetzen. Doch bevor wir an Bord gehen, bunkern wir an einem großen Supermarkt Lebensmittel und Wein für die Überfahrt. Auf dem Parkplatz umkreist ein italienischer Papa mit seinen vier Sprösslingen die Motorräder und erklärt ihnen mit ehrfürchtiger Stimme: “Questi moto sono pronto per il giro del mondo!" (Diese Motorräder sind bereit für eine Runde um die Welt.) Nein nicht die ganze Welt uns reicht schon Afrika.
Die Fähre startet gegen 22 Uhr und so machen wir es uns an Deck in den Motorradklamotten bequem. Doch sobald der Wein alle ist, kriecht die kühle Nachtluft an uns heran und vertreibt uns in die unbequemen Pullman Sitze unter Deck.
|
|
|
Meteoraklöster in Griecheland
|
|
In aller Herrgottsfrühe legt die Fähre in Igoumenitsa an, so um 2:30 Uhr wegen der Zeitverschiebung. Um diese Zeit hat hier alles zu. Deshalb beschließen wir gleich bis zu den Meteora Klöstern zu fahren. Wiedereinmal überqueren wir in einer Saukälte ein Gebirge, noch dazu in stockdunkler Nacht. Doch die Kurven animieren zu zügiger Fahrt. Mehrmals setzt Mark mit den aufgepackten Deserts auf. Gegen Tagesanbruch erreichen wir den Fuß des Katara Passes. Hier wärmen wir uns in einer Fernfahrerkneipe auf, bevor wir den Pass bezwingen und das letzte Stück bis zu den Klöstern fahren. Auf einem abgewrackten Campingplatz mieten wir uns für eine Nacht ein. Nach einem stärkenden Mittagsmahl in einer nahen Taverne erfolgt der Aufstieg zu den Klöstern, die wie Adlerhorste an den Berggipfeln kleben. Wir schonen die Katis und bemühen Schusters Rappen. Nach dem anstrengenden Aufstieg besichtigen wir einige der Klöster, deren exponierte Lage sie berühmt machte. Die Inneneinrichtung ist klösterlich karg.
Im kargen und gebirgigen Norden durchqueren wir Griechenland. Die kleinen Bergsträßchen lassen Fahrspaß aufkommen, und in den abgelegenen Bergen findet sich immer schnell ein Plätzchen für die Nacht. Und auch der Wettergott ist uns seit Süditalien fast immer wohl gesonnen.
Wie auch in Italien ist hier gerade Erntezeit. An den Rändern der Baumwollfeldern sieht es aus als hätte es gerade geschneit. Wir sehen hier zum ersten Mal Baumwolle, und das sie mit einem Mähdrescher oder jedenfalls so was ähnlichem geerntet wird. Wie heißt es doch immer so schön, reisen bildet.
Nach ein paar schönen Tagen erreichen wir die griechisch türkische Grenze. Hier verlassen wir die EU, und wir sind beide gespannt wie laut der Amtsschimmel hier wiehern wird. Die Griechen winken uns einfach durch, die Türken sind aber gerade beim Mittagessen, und so dauert es eine Weile bis die Abfertigung beginnt. Nach gut anderthalb Stunden betreten wir das sagenhafte Land zwischen Orient und Okzident. In der ersten größeren Stadt zieht Gerd mit der EC Karte türkische Lira. Endlich sind wir Millionäre. Mit 200.000.000 Lira im Portemonnaie kommt man sich auch gleich viel wichtiger vor.
Wir wollen uns Istanbul ersparen, und so nehmen wir Kurs auf Eceabat. Die Landschaft unterscheidet sich hier kaum von der in Griechenland, nur sieht alles etwas ärmlicher aus. Auch hier sieht man die weißleuchtenden Baumwollfelder neben der Straße.
Wie in allen südlichen Ländern verbrennt man auch hier im Straßengraben den Müll, sodass die Geruchsbelästigung stellenweise enorm ist.
Doch die Fahrt am Ufer des Bosporus, mit Blick auf Asien auf der anderen Seite
|

|
|
Troja
|
|

|
|
Mark auf der Fähre nach Asien
|
|

|
|
auf einsamer Straße kurz vor Kastoria
|
|
entschädigt für alles. Riesige Schiffe gleiten durch die Meerenge und man geniest ihren ästhetischen Anblick. In Eceabat erreichen wir die Fähre, die uns über die Dardanellen nach Asien bringt. In der Nachmittagssonne setzen wir nach Asien über. Da eine türkische Schulklasse an Bord ist, und wir mit den Motorrädern die Attraktion schlecht hin sind, beantworten wir die vielen Fragen die sie sich auf Englisch ausdenken können. In Canakkale spuckt uns die Fähre auf dem asiatischen Kontinent aus.
Bis zum legendären Troja ist es nun nicht mehr weit. Kurz vor der Ausgrabungsstätte nehmen wir ein Hotelzimmer. Morgen wollen wir uns die Stadt ansehen, die durch Helena und Achilles weltberühmt wurde. Zum Abendessen gibt es, wie sollte es anders sein Trojakebab und ein frisches Efes Pilsener.
Ein Spaziergang durch die ausgebuddelte und nicht besonders gut erhaltende Stadt macht uns wieder mit ihrer Geschichte vertraut. Schliemann, der irgendwo aus der Uckermark kam, hat die Stadt anhand der antiken Beschreibung in Homers Ilias gefunden und ausgegraben.
Als nächste Attraktion stehen die Pamukkale Terrassen auf dem Plan. In zwei lockeren Tagesetappen erreichen wir sie. Herrlich weiß schimmern die Kalksteinablagerungen in der Sonne. Bei dem warmen Wasser ist es eine Freude barfuss durch die kleinen Pools zu plantschen. Auch das alte Römertheater hinter den Terrassen statten wir einen Besuch ab. Herrlich was die Römer hier aufgebaut haben, schade das es heute nicht mehr als Freilichtbühne genutzt wird.
Das nächste Ziel ist Marmaris, denn hier hat Sönke von Yoshimoto irgendwo seinen Sitz, und seine Mechaniker sollen uns den ersten Ölwechsel machen. Außerdem wollen wir uns für ein paar Tage an den Strand legen und Urlaub machen. Sönke ist leider zur Zeit in Deutschland, doch den kaum deutsch oder englisch sprechenden Mechanikern machen wir auch so klar was wir wollen. Nach dem Ölwechsel suchen wir uns ein Hotel in Marmaris und verbringen drei erholsame Tage am Strand, in der Sauna und am kalten Büffet.
Nach den drei Tagen fettlebe wollen wir nun an der Südküste die Türkei durchqueren und hinter Gaziantep bei Kargamis über einem kleinen Grenzübergang nach Syrien fahren. So tingeln wir langsam bei herrlichem Wetter nach Osten. Jeden Abend suchen wir uns ein Plätzchen und genießen den herrlichen Rhythmus aus fahren und schlafen.
Die Landschaft ist herrlich, und die alten Jawas, 350er und 175er, die neben den MZs zu sehen sind erfrischen das Herz. Es sind auch recht viele neue Kanuni MZ unterwegs. Das Motorrad ist hier jedenfalls genauso wie früher bei uns ein richtiges Transportmittel und noch nicht zum reinen Sport- bzw. Fungerät mutiert.
In der Nähe von Ceyhan, hier kommt die Pipeline vom kaspischen Meer an, werden wir doch tatsächlich geblitzt. Nach langem hin und her wird die Strafe im Triptik, ein schlauer Zettel den man bei der Einreise erhalten hat, eingetragen. Bei der Ausreise muss dieses Triptik abgegeben werden, und dann wird auch die Strafe fällig.
Bis nach Antalya und Alanya machte die Türkei noch einen ganz guten Eindruck, auch im Industriegürtel um Ceyhan sah es noch stark nach einem Land aus, das auf dem Sprung in die Neuzeit ist. Doch in Osmaniye sehen wir das erste Mal eine ostanatolische Stadt, die nichts mit den bisher gesehenen Städten gemein hat. Sie ist einfach nur rückständig und dreckig. Wenn so die Alternative zum Arbeiterregal aussieht, dann wissen wir jetzt warum die vielen mehr oder weniger modernen Blocks gebaut werden.
|

|
|
morgens in der Türkei
|
|

|
|
und morgens in der Syrischen Wüste - unendliche Weiten
|
|
Am 8. November erreichen wir in Kargamis die türkisch syrische Grenze. In der Karte ist ein Grenzübergang eingezeichnet, es existiert auch eine Brücke über den Grenzfluss, doch die ist mit Stacheldraht und Panzersperren verriegelt und verrammelt. Ein türkischer Soldat erzählt uns das der Grenzübergang nicht geöffnet ist und wir umkehren müssen.
Wir suchen also auf der Karte nach einem großen Grenzübergang und finden einen in Killis. Kurz nach drei sind wir in Killis, Mark will hier ein Plätzchen suchen und erst morgen die Grenze überqueren, doch Gerd überzeugt ihn vom Gegenteil.
Die Ausreise aus der Türkei dauert seine Zeit. Die Strafe für zu schnelles Fahren wird hier auch fällig. Herrlich wie die Bürokratie doch arbeitet. Nach anderthalb Stunden ist die türkische Bürokratie befriedigt und wir verlassen die Türkei.
Die Einreise nach Syrien nehmen wir frohen Mutes in Angriff. Die Katis werden unter einem Dach geparkt und dann geht’s in ein Büro zum Pässe abstempeln. Da wir die Visa schon haben, geht das auch recht zügig. Nun wieder zurück zu den Motorrädern. Inzwischen ist es dunkel geworden, da Ramadan ist verschwinden alle gleichzeitig. Nicht ohne uns mit in eine kleine Bude zu zerren. Wir sind Gäste und dazu noch gute almanis und dürfen so an ihrem Abendessen, das im Ramadan bekanntlich reichlich ausfällt, teilhaben. So langen wir ordentlich zu. Hoffentlich verbringen wir den morgigen Tag nicht auf dem Klo! Nach dem üppigen Mahl verabschieden wir uns diskret. Wir fragen noch mal ob der Papierkram für die Einreise erledigt ist, und dann brausen wir davon. Ein Wächter kontrolliert noch mal alles bevor die letzte Schranke hoch geht und wir sind drin in Syrien. Bis Aleppo wollen wir heute noch kommen.
So 15 bis 20 km hinter der Grenze überholt uns ein Pick Up mit einem Affenzahn und legt vor uns eine Vollbremsung hin. Drei Typen springen raus und wir sind sicher, das sind Banditen, die unser Bestes wollen, unser Geld. Wie sollen wir reagieren? Durchstarten? Die unzureichende Nahkampferfahrung sprechen lassen? Das arme Lämmchen spielen...
Doch es sind irgendwelche Grenzer, die uns erzählen, irgendein wichtiger Zettel wurde an der Grenze nicht ausgefüllt, und ob wir nicht mit zurück kommen könnten, es wäre sehr wichtig. So geht’s im Konvoi zurück zur Grenze. Hier erfahren wir, dass die Motorräder nicht verzollt wurden. Eine Stunde später und wir um viele Euro ärmer, sind die Formalitäten erledigt, alles dreimal in schlaue Bücher gemalt, die Beamten happy und wir wieder on the road. Inzwischen ist es allerdings stockdunkel. Kurz hinter Aleppo finden wir ein Plätzchen und fallen nach dieser “Grenzerfahrung" in einen tiefen Schlaf.
Da wir schon hinter Aleppo sind, beschließen wir bis nach Manbij, einer größeren Stadt, weiter zu fahren und erst dort Geld zu tauschen. Das Benzin reicht bis dahin locker. Doch oh Schreck in Manbij gibt es keine Bank. Die Einheimischen erzählen uns, dass man nur in Aleppo Geld tauschen kann. Bis dahin reicht das Benzin nun aber nicht mehr. Es ist eben Schei..e wenn man ohne Reiseführer ein Land bereist, aber wir wollen ja bloß durchfahren. Ein versuchter Schwarztausch zerschlägt sich an Gerds Befürchtungen in die Hände der syrischen Stasi gefallen zu sein, die ihn, wie früher in der DDR, wegen eines Devisenvergehens hopps nehmen will. Schnell tritt er den Rückzug an. Gab’s so was überhaupt in der DDR?
So fahren wir einfach an die nächste Tankstelle und fragen den Tankwart vorsichtig ob er Dollar akzeptiert. Das tut er. So werden für 23 Dollar beide Katis vollgetankt. Blauäugig wie wir sind, setzen wir nun unseren Weg durch die syrische Wüste fort, anstatt nach Aleppo zu fahren, um Geld zu tauschen.
In der Wüste, die keine Sandwüste im herkömmlichen Sinne ist, sondern eine feste lehmige Oberfläche aufweist, kommt angesichts der vielen Bohrtürme richtiges Dallasfeeling auf. Als Ölkind aus Schwedt fühlt man sich wie zu Hause.
Doch schon wieder fangen die Schwierigkeiten an, denn wir haben uns verfahren. So kommen wir nicht an der sagenumwobenen Stadt Palmyra vorbei. Angesichts des Geldmangels, und schon wieder leeren Tanks, beschließen wir das Kulturprogramm auszulassen und einfach zur jordanischen Grenze zu brausen.
|
|
|
Schluchtenpanorama in Jordanien
|
|
Leider fanden wir keinen richtigen Draht zu Syrien, womit wir dem Land sicherlich unrecht tun. Doch durch unsere rudimentäre Vorbereitung, die uns nicht auf die Geldprobleme vorbereitete, konnten wir das Land nicht richtig genießen, sondern haben uns von einem Problem zum nächsten gehangelt. Nach nur drei Tagen verlassen wir Syrien in Richtung Jordanien, wo uns diese Probleme erspart blieben.
Der Grenzübergang nach Jordanien verläuft zügig und ohne Probleme. Kostspielig ist er trotzdem. Überhaupt sind die Grenzübertritte bisher neben dem Benzin in der Türkei das teuerste der ganzen Reise.
Doch nun auf zum Toten Meer, endlich im Wasser liegen und Zeitung lesen ohne unter zu gehen. Doch irgendwie ist die touristische Infrastruktur am Toten Meer auf der Strecke geblieben. Dafür gibt es jede Menge Militärkontrollen, wovon uns so manche vor lauter Langeweile tatsächlich die Koffer auspacken lassen. Die Nähe zum verhassten Israel scheint hier ganz schön die Stimmung zu drücken.
Die vielen Mopeds, die noch in Syrien zu sehen waren fehlen hier in Jordanien ganz, denn hier dürfen nur der König, die Polizei und die Touristen Motorrad fahren. So sind wir echte Exoten auf der Straße, die von allen gegrüßt werden.
|

|

|
|
Petra al Khahzneh - berühmtes Bauwerk in einer Schlucht in Jordanien
|
|
Die Felsenstadt Petra und das Wadi Rum übertreffen unsere nicht geringen Erwartungen bei weitem. Sie sind einfach herrlich. Hier treffen wir auf deutsche Kletterer und Pauschaltouristen. Es tut richtig gut von denen mit Ehrfurcht behandelt zu werden. Durch die herrliche Landschaft geht’s nun nach Aquaba. Von hier wollen wir mit einer Fähre nach Ägypten übersetzen. Der Landweg durch Israel ist uns versperrt, denn mit den israelischen Stempeln im Pass ist die Einreise in den Sudan unmöglich.
Heute ist also der Tag vor dem wir den größten Horror auf der Reise haben, die Fahrt nach Ägypten. Die Einreiseformalitäten ins Land der Pharaonen sollen kafkaesk sein. Im Internet kursieren Berichte, dass sie bis zu 18 Stunden dauern. Doch erst einmal müssen wir auf die Fähre kommen. In Jordanien gibt es doch tatsächlich eine Ausreisesteuer, das wäre doch mal was für unseren traurigen Hans (Eichel). Nach gut zwei Stunden haben wir Ticket und Ausreisestempel beisammen.
|

|
|
Wandertour in Wadi Rum
|
|
Am Hafen herrscht ein riesiges Tohuwabohu, denn Tausende Ägypter kommen gerade von einer Pilgerreise aus Saudi Arabien. Entsprechend voll ist die Fähre. Die Fähre verkehrte früher auf den italienischen Mittelmeerlinien. Bis sie vor 20 Jahren von den sicherheitsbewussten Italienern wegen offensichtlicher technischer Mängel außer Dienst gestellt wurde. Seitdem verkehrt sie hier auf dem Roten Meer. Die Fährüberfahrt ist ein wahres Sardinenbüchsenerlebnis. Doch wir haben Vertrauen in den italienischen Schwermaschinenbau. Nach drei ein halb Stunden erreichen wir sicher den afrikanischen Kontinent. Während der Fahrt wurde schon der Einreisestempel in den Pass gedrückt. Gegen 22:00 Uhr beginnen nun die Formalitäten für die Motorräder. Ein Niederländer, der mit seinem Auto einreisen will, ist unser Leidensgenosse.
Doch die Internetgeschichten bewahrheiten sich nicht. Ein Tourist Police Officer kümmert sich um die Weißen. Nach gut drei ein halb Stunden halten wir den ägyptischen Fahrzeugschein, Führerschein und ein Nummernschild in unseren Händen und können den Hafen verlassen.
In Nuweiba finden wir nach einigem Suchen eine standesgemäße Unterkunft. Sie bietet alles was wir brauchen für rund 5 Euro pro Tag inklusive Frühstück. D.h. der Strand ist direkt vor der Tür, das malerische und einfach phantastische Korallenriff zieht sich hundert Meter vor der Küste entlang, ein Internetcafe ist in Reichweite und das wichtigste, der Biershop auch. So lassen wir es uns zwei Wochen lang gut gehen.
In dieser Zeit machen wir einen Abstecher zum bunten Canyon. Vorher tanken wir das erste Mal in Ägypten, der Preis den wir bezahlen müssen treibt uns wahrlich die Tränen in die Augen. Sage und schreibe 12 Cent kostet der Liter. Klar dass es Freudentränen sind.
|

|
|
Ägypten - Gerd schreibt am Tagebuch
|
|

|
|
Mark und der Guid vor dem Coloured Canyon
|
|

|
|
Sonnenuntergang auf dem Gebel Musa
|
|

|
|
Lagerplatz in der Nähe der Dakhla-Oase
|
|
Da es hier vor rund drei Wochen stark geregnet hat, ist die Zufahrt zum Canyon regelrecht weggespült. Zum Leidwesen der Ägypter, zur Freude der in den Rasten stehend, dahinfräsenden KTM Piloten. Herrlich wie die Natur, die wie die zerstörte Zufahrtsstrasse zeigt auch ganz anders kann, hier im Coulored Canyon wahrlich schöpferisch am Werk war. Grandios dieses Farbenspiel und diese Formen! Auf der Rücktour legt Gerd auch noch sanft seine KTM ab. Ja ohne Gepäck sind die Beine ganz schön kurz!
Der zweite Abstecher führt uns zum Jebel Musa, dem Berg an dem der Sage nach Moses von Gott die 10 Gebote erhalten haben soll. An seinem Fuße befindet sich das nicht minder bekannte Katharinenkloster. Den Höhepunkt dieses Ausfluges bildet die Übernachtung auf dem Gipfel, um am folgenden Morgen den Sonnenaufgang zu genießen. Und wer weiß, vielleicht empfangen auch wir ein göttliches Zeichen.
Ein Zeichen empfangen wir tatsächlich, denn unsere Motorradhandschuhe wurden über Nacht in den christlichen Himmel abberufen. Kaum zu glauben, in der arabischen Welt wurde nichts gestohlen. Einmal betreten wir christlichen Boden und sofort treffen wir auf Langfinger.
Nach einem Abstecher nach Sharm el Sheik, wo uns freundliche Bekannte, die hier ihren Urlaub verbringen, ein Paket aus der Heimat mitbringen, nehmen wir Kurs auf Kairo. In Sharm el Sheik besuchen wir natürlich auch den Generalimporteur für KTM in Ägypten. Hinter diesem pompösen Namen verstecken sich drei Italiener, die hier eine gutgehende Motorradvermietung betreiben.
Nun auf nach Kairo, der Stadt am Nil, die Stadt der Pyramiden. Einen kleinen Abstecher machen wir noch zu Saladins Festung auf dem Sinai, doch dann erreichen wir, nach der schwerbewachten Unterquerung des Suezkanals, die Hauptstadt Ägyptens.
Wir mieten uns in einem Hotel auf der Nilinsel Gezira, nur einen Steinwurf von Downtown entfernt, ein. Hier besichtigen wir das Weltwunder, die Pyramiden von Gizeh, das wenig beeindruckende Ägyptische Museum, die Mohammed Ali Moschee und die Zitadelle.
Mal ein Wort zur Sicherheit in Kairo. An jeder Straßenecke lungern mit Kalaschnikows ausgerüstete Soldaten herum, bereit mit ihren Sturmgewehren jederzeit ein Massaker anzurichten, das sie eigentlich verhindern sollen.
Das Sudanvisum, das wir uns in Berlin besorgten, ist abgelaufen. Doch laut Reiseführer ist es problemlos möglich es in Kairo auf der sudanesischen Botschaft verlängern zu lassen. Und so nehmen wir unsere konsularischen Pflichten wahr. Ein uraltes Fiattaxi, es lebe der italienische Maschinenbau, bringt uns bis vor die Eingangstür. Nach einigem Hin und her verlängert uns der Botschafter das Visum durch einen handschriftlichen Vermerk im Pass bis zum 20. Dezember 2004. Doch das ist uns nicht lange genug. Nun ist guter Rat teuer. Doch der Konsul Gerd nimmt seine Arbeit ebenso ernst wie der Botschafter und nach einer halben Stunde ist das Visum tatsächlich wie durch Zauberhand bis zum 28. Dezember gültig. Die zitternden Konsulhände werden mit einigen Bier beruhigt. Wüstenfreunde, die wir sind, tun wir uns nicht die Konvoipflichtige Strecke am Nil entlang an, sondern nehmen die Oasenstraße unter die Räder. Diese ist vollständig asphaltiert. Sie führt durch die Oasen Bahariya, Farafra, Dakhla und Kharga. Kurz hinter der Oase Bahariya liegt die legendäre Weiße Wüste, bekannt durch ihre herrlichen Kalksteinfelsen. Hier legen wir einen zweitägigen Wander- und Fotografierstop ein.
|

|
|
Treffen mit den Eltern in Sham el Sheik
|
|

|
|
Saladins Festung
|
|

|
|
legendäre weisse Wüste
|
|

|
|
unsere KTMs zusammen mit der von Joe Pichler am Hotel
|
|

|
|
beladene LKW vor der Fähre in den Sudan
|
|
Nach rund 12.000 km erreichen wir Assuan. Hier beginnt das wahre Abenteuer. Doch vorher bekommen unsere Katis ein paar Streicheleinheiten. Hier werden die so lange mitgeschleppten Deserts mit hinten zwei und vorne einem Reifenhalter von Hand montiert, ein Ölwechsel gemacht und die Ventile eingestellt. Schließlich wollen wir im Sudan und in Äthiopien keine technischen Schwierigkeiten bekommen. Diese Arbeiten beschäftigen uns zwei Tage lang. Bei der anschließenden Probefahrt, bei der wir auch den von unseren sowjetischen Freunden erbauten weltberühmten Assuan Hochdamm besichtigen, begegnet uns eine KTM Adventure ninefifty. Im Sattel sitzen die Pichlers aus Österreich. Der bekannte Reisefotograf Joe Pichler ist mit seiner Frau Renate auf einer von KTM Sportmotorcycles gesponserten nagelneuen 2005er 950er Adventure auf dem Weg nach Kapstadt. Wir verabreden uns auf ein Bier am Abend. Bei dem einen bleibt es natürlich nicht. Mit dem sympathischen Österreicher quatschen wir endlos über Reisen, Afrika, Motorräder und im speziellen über KTM. Er gibt uns noch viele wertvolle Tipps für unsere weitere Reise. Vor allem legt er uns ans Herz Äthiopien näher zu erkunden.
Der einzige offene Grenzübergang von Ägypten in den Sudan führt mit einer Fähre über den Nassersee. Doch bevor wir uns zum Hafen begeben, müssen die ägyptischen Fahrzeugpapiere, der Führerschein und die Nummernschilder, von dem wir nur noch eins besitzen, das andere haben wir nach Hause geschickt, bei der Verkehrspolizei in Assuan abgeben. Die Tickets für die Fähre erstehen wir in Assuan City, doch nur für uns, die Passage für die Katis kann erst im Hafen bezahlt werden. Leider gibt es keine Kabinen mehr, sodass wir mit der Deckpassage vorlieb nehmen müssen.
Morgens am 20. Dezember 2004 finden wir uns am Hafen von Assuan ein. Dort treffen wir auch auf Uli, einem Marburger, der mit seinem Toyota in drei Wochen bis hier her gefahren ist, und bis nach Zentralafrika will. Er hat sage und schreibe drei Monate Urlaub bekommen. Zusammen erledigen wir die Ausreiseformalitäten aus Ägypten. Er hat allerdings das Glück die letzte Kabine bekommen zu haben. Die Beladung der nicht sehr großen Fähre zieht sich fast den ganzen Tag lang hin. Wir sind froh als wir am Nachmittag die Enduros aufs Schiff schieben dürfen. Wer jemals mit einer afrikanischen Fähre fährt, sollte sich bewusst sein, dass Kratzer und kleine Schäden unvermeidlich sind. Wir büßen jeder einen Blinker ein. Ulis Auto hat weniger Glück als unsere Motorräder, denn es wird auf einem Lastenponton erst am nächsten Tag übergesetzt.
Die Fähre ist total überladen, mit Gepäck und Menschen. Mit uns sind etwa 300 “Schwarze", ein paar Japaner und 5 “Weiße" auf die Deckpassage angewiesen. Wir “Weiße", obwohl wir uns selbst nie als “Weiße" gesehen haben, bilden eine kleine Insel von 5 qm. Die anderen “Weißen" sind ein Südafrikaner, der mit dem Rad einmal um Afrika radelt, eine 60 jährige Französin die mit dem Rad einmal die Welt umrunden will, zwei Australier, Vater und Sohn, und ein weiterer Franzose.
Die Nacht verbringen wir in einem unruhigen Halbschlaf, den auch noch die Gebete der Moslems stören, die der Muezzin mitten in der Nacht zum Beten aufscheucht.
Wie wird Joe Pichler in Äthiopien zu uns sagen: “Du fährst 17 Stunden mit einem Schiff, und wenn Du Wadi Halfa erblickst, dann weißt Du, dass Du in Afrika bist!"
Und das ist nicht übertrieben, denn in Wadi Halfa gibt es nicht einmal Straßen. Doch vorher kämpften wir uns durch den Zoll. Mister Kamal, ein alter Beduine in schneeweißer Tracht, lotst uns durch die Zoll- und Grenzformalitäten. Zum zweiten Mal auf unserer Reise müssen wir die Carnet de Passage zücken. Nach der Einreise in den Sudan muss man sich innerhalb der nächsten drei Tage auf einer Polizeiwache registrieren lassen. Das nehmen wir aber erst morgen in Angriff. Da Ulis Auto noch irgendwo auf dem Nassersee herumgeschippert wird, nehmen wir ihn mit in die “Westernstadt" und teilen uns ein Zimmer mit ihm. Bevor wir am nächsten Morgen den Kampf gegen die Bürokratie aufnehmen, fährt Gerd ihn noch zum Hafen.
Die Registrierung im “Aliens Office" wird ein nervenaufreibender Kampf mit einem korrupten Beamten, den wir glücklicherweise für uns entscheiden. Zum Glück merkt niemand etwas von Konsul Gerds eingreifen.
Nach einem letzten Stopp an der hiesigen Fässertankstelle, an der wir 7 anderthalb Liter Falschen mit Benzin füllen geht es auf in die nubische Wüste. Wir entscheiden uns für die anspruchsvolle Strecke entlang der Bahnschiene. Die 370 km bis nach Abu Hamed sind extrem sandig und menschenleer. Mit 80 90 Sachen pflügen wir in bester Meoni Manier durch die vielen hundert Kilometer Sand. Einfach berauschend wie die Katis hier durchziehen. Ohne wackeln oder Anzeichen von Unsicherheiten fräsen sie durch, für unüberwindlich gehaltene, Weichsandfelder. Auch die bis zu einem halben Meter tiefen Spurrinnen können dem Vorwärtsdrang der Adventures nicht stoppen. Ich hätte nicht gedacht, dass wir diese gefürchteten Sandfelder so easy meistern.
|

|
|
Vor einer Tankstelle im Sudan
|
|

|
|
Mark auf der Piste in der nubischen Wüste
|
|
Nach 140 herrlichen Sandkilometern machen wir die erste größere Pause, um die Wasserflaschen in die Tanks umzufüllen. Dabei fällt Gerd auf, dass Marks Motorrad Öl verliert. Das darf doch nicht wahr sein, hier mitten im nirgendwo! Schnell lokalisieren wir eine undichte Zylinderfußdichtung als Ursache. Was nun?
Wir beschließen an Ort und Stelle zu übernachten. In unserem Improvisationsköfferchen befindet sich Silikon Dichtmasse und Kaltmetall. Am Abend beschmieren wir die leckende Stelle erst mit dem Silikon und dann wird ein dicker Pfropfen Kaltmetall aufgetragen. Wer hätte jemals gedacht, dass man mit Knete einen undichten Motor reparieren könnte?
Am nächsten Morgen kickt Mark voller Angst seine LC4 an. Wird die “Knete" tatsächlich halten? Doch sie hält!
Ohne weitere Probleme erreichen wir nach weiteren 230 psychedelischen Kilometern mit fast leeren Tanks Abu Hamed. Die härteste Wüstenetappe liegt hinter uns. Als wir die Fässertankstelle sehen fällt uns ein Stein vom Herzen. Hier gibt es Benzin, den wir dringend benötigen, denn beide Maschinen haben über 10 l pro 100 km verbraucht! Hier stecken wir auch zum ersten Mal die CDI’s auf 80 Oktan um, denn wer weiß was in diesen Fässern ist.
Nun geht’s am Nil entlang bis nach Khartum, das wir am Abend des nächsten Tages erreichen.
“Wildcampen" ist im Sudan kein Problem, denn in dem Wüstenstaat findet man schnell ein Plätzchen, und die Sudanesen sind die freundlichsten und zurückhaltendsten Menschen die uns auf unserer bisherigen Reise begegneten.
Nach zwei weiteren anstrengenden Fahrtagen erreichen wir die Grenze zu Äthiopien. So verlassen wir das Land in dem bereits deutsche Soldaten den alten und neuen Großmachtsphantasien frönen, verschleiert als “humanitäre" Hilfe.
Die Einreise nach Äthiopien ist schnell und billig, sie kostet lediglich 2 Dollar. Unser erstes Etappenziel ist Gondar, die legendäre Kaiserstadt mit ihren Palästen.
Nach ein paar Tagen ausspannen und Stadtbesichtigung fahren wir über den 3000m hohen Wolkefit Schotterpass in den Norden. Vorbei am Ras Dashen, des höchsten Berges des Landes führt uns der Weg durch die herrliche Bergwelt Äthiopiens. Im Gegensatz zur beeindruckenden Landschaft sind die Menschen hier bettelarm. An ein paar Kinder mit aufgedunsenen Bäuchen verschenken wir unsere letzten Spaghetti.
Am Sylvesterabend rollen wir in die historische Stadt Axum ein. Doch von Sylvesterstimmung ist hier nichts zu merken, denn die Äthiopier haben ihren eigenen Kalender, mit 13 Monaten. Sie leben auch nicht wie wir jetzt im Jahre 2004 sondern noch sieben Jahre früher also 1997. Wir lassen trotzdem ein paar Kronkorken knallen und genießen ein paar kühle Dashen Pilsner.
Im Osten des Landes fahren wir auf einer von den Chinesen erbauten Asphaltstraße nach Süden, durch die, wie schon im Westen des Landes, grandiose Bergwelt. Das äthiopische Weihnachtsfest verbringen wir im heiligen Lalibela. Wir sind von der vielgepriesenen Stadt jedoch enttäuscht.
|

|
|
Äthiopier, die von der Feldarbeit kommen
|
|
Über den Werota Weldiya Highway, high ist der wirklich, denn er verläuft fast ständig auf 3000m Höhe und ein way ist es auch bloß, denn mehr kann man zu dieser ausgefahrenen Gebirgspiste nicht sagen, erreichen wir Bahir Dar am Tanasee.
An den berühmten Wasserfällen des Blauen Nils nahe dem Tanasee, begrüßt uns ebenfalls ein chinesisches Wasserkraftwerk, das den Fällen das Wasser abgegraben hat. Hier begegnen wir einem Dresdner Pärchen die von der Türkei mit dem Fahrrad auf dem Weg nach Kapstadt ist. Die beiden sind seit einem halben Jahr unterwegs. Es ist richtig erfrischend mal wieder mit “Bikern" zu quatschen.
Bis nach Addis Abeba ist es nun nur noch ein Katzensprung. Doch die Überquerung des Blauen Nils ist noch mal ein Naturschauspiel der Extraklasse. Denn der Nil hat hier einen beeindruckenden Canyon geschaffen. In engen Schotterkehren, geht es auf der einen Seite 1000 Höhenmeter hinunter, und auf der anderen Seite wieder hinauf, Fahrspaß pur.
Die prachtvolle Churchill Avenue in Addis Abeba wirkt seltsam vertaut auf uns. Erst nach einer ganzen Weile wird uns klar, dass die breite Prachtstraße mit den sozialistisch anmutenden Bauten uns stark an Ostberlin erinnert. Die vielen Ladas auf den Straßen verstärken diesen Eindruck noch.
In Addis holen wir uns das kenianische Visa. Sollte jemals einer von euch sich in Addis über die Sicherheitslage informieren wollen, den Gang zur Deutschen Botschaft könnt ihr euch echt sparen, denn die Beamten dort haben keine Ahnung und auch kein Interesse mal mit einem Landsmann zu sprechen.
Am Abreisetag aus Addis Abeba treffen wir auf einen Australier mit einer Yamaha Tenerere. Er kommt von Süden und will in den Norden. So quatschen wir noch eine ganze Weile mit ihm über die zu empfehlenden Strecken und die eher zu meidenden.
|

|
|
Hütte mit Bewohner in Äthiopien
|
|

|
|
Kakteenhecke in der Ebene am Ashenge See
|
|
Nun geht’s auf in die Bale Mountains wandern, ein herrliches Naturparadies mit einer anständigen Hütteninfrastruktur. Für jeden Wanderer der dem heimischen Winter entfliehen möchte, oder nur einfach 3500 m Feeling erleben möchte, ein Geheimtipp.
Als fahrerische Herausforderung folgt nun das Sanetti Plateau, mit einer Höhe von 4100 m, die höchste Allwetterstraße Afrikas. Der Leistungsabfall von Mensch und Maschine in dieser Höhe ist wahrlich atemberaubend. Mit 25 statt 50 PS ist die KTM nur noch eine bessere MZ.
Nach den Strapazen in großer Höhe erholen wir uns einige Tage in Arba Minch, im Rift Valley gelegen, bevor wir uns auf den Weg nach Kenia machen. Hier treffen wir auch wieder Joe Pichler. Einen ganzen Tag lang verbringen wir mit Quatschen.
Der Grenzübergang von Äthiopien nach Kenia ist ein bisschen heikel. Wir entschließen uns nicht den großen Hauptgrenzübergang zu benutzen, da uns dort 500 km LKW Wellblech erwarten. Das wollen wir uns gerne ersparen. Wir wollen westlich des Turkanasees im Dreiländereck Äthiopien, Sudan und Kenia ausreisen. Dazu muss allerdings noch den Omo River mit seinen steilen Ufern überquert werden. Die offizielle Fähre fährt schon seit Monaten nicht mehr. Verschärft wird die allgemeine Lage durch aufflackernde Stammeskriege im Südwesten Äthiopiens. Knackpunkt in dieser Beziehung ist die Straße von Turmi nach Omorate, dem letzten Ort in Äthiopien. Hier wurde vor kurzer Zeit ein Touristenjeep von Stammeskriegern angehalten und bedroht. Kurz vor Turmi treffen wir zwei deutsche Rentnerehepaare die zusammen in zwei geländegängigen Wohnmobilen ebenfalls auf dem Weg nach Kapstadt sind. Diese kehrten wegen der brenzligen Lage um und fahren nun über den Grenzübergang Moyale nach Kenia. Die Polizei in Turmi, die schon die Rentner abgeschreckt hat, warnt auch uns vor den Gefahren die auf der Straße nach Omorate lauern. Mutig bzw. leichtsinnig wie wir sind, nehmen wir trotzdem die gefährliche Straße nach Omorate. Hier erhalten wir die Ausreisestempel für Äthiopien. Nun gilt es nur noch den Omo River als letztes Hindernis auf dem Weg nach Kenia zu überwinden. Während wir uns gerade um ein Boot zum Überqueren des Omo bemühen, bricht plötzlich Geschrei im Dorf aus. Auf der von uns so leichtfertig befahrenen Straße wurden vier Menschen ermordet. Wir bekommen bei dieser Nachricht ganz weiche Knie, wie konnten wir nur die Warnungen der Polizei so in den Wind schlagen?
Die örtliche Polizeidienststelle tritt nun mit der Bitte an uns heran den Polizeichef von Omorate mit dem Motorrad nach Turmi zu fahren, damit er von dort militärische Hilfe anfordern kann. Als Gegenleistung soll für den nächsten Tag das Polizeiruderboot zu unserer Verfügung stehen. Da ansonsten nur wackelige Einbäume auf dem Omo verkehren nimmt Gerd das Angebot an. Der mit einer Kalaschnikow bewaffnete junge Polizeichef, der auch ein volles Magazin im Gürtel stecken hat, nimmt auf dem Sozius Platz. Die KTM befreit von sämtlichen Gepäck saust mit den beiden in Rekordzeit die 75 km nach Turmi. Unterwegs merkt Gerd wie die Kalaschnikow fertiggeladen, entsichert und auf seiner rechten Schulter in Stellung gebracht wird. Wessen Hosen sind völler, die von Gerd oder dem Polizeichef? Doch ohne Zwischenfall erreichen beide Turmi.
Inzwischen beobachtet Mark wie 30 Schwerbewaffnete aus Omorate ausrücken und zwei Jeeps mit auflaffettiertem MG in Richtung Turmi starten. Der Rest der Polizeiwache putzt eifrig weiteres Kriegsgerät. Zwischen was für Fronten sind wir hier nur geraten. Mit Entsetzen erinnert sich Mark an den Passus aus der Krankenversicherungspolice, dass sie bei Teilnahme an bewaffneten Konflikten erlischt!
Gerd setzt den Polizeichef in Turmi ab. Nach einigem Palaver wird ein Jeep mit zwanzig Freiwilligen, die alle ganz heiß aufs Kämpfen sind, in Richtung Omorate geschickt. Nach einigen Metern stoppt der schwer bewaffnetet Toyota, und es ertönt der Ruf nach dem Ferenji, damit ist der weiße Gerd gemeint. So setzt auch er sich wieder in Bewegung Richtung Omorate. Zu seinem Schutz nimmt ein uniformierter Polizist ebenfalls bewaffnet auf dem Sozius platz.
Etwa auf halber Strecke zwischen beiden Dörfern wartet bereits der bewaffnete Jeep aus Omorate. Nun kauert Gerd sich, wie in besten Grundausbildungstagen, neben den Bewaffneten in den Straßengraben. Gegen Einbruch der Dunkelheit wird er mit seinem bewaffneten Beschützer weiter nach Omorate geschickt. Ohne Zwischenfall erreichen sie den Ort.
|
|
|
Omoüberquerung. Gerd und die Rudermannschaft
|
|
|
|
die KTM im Pajero
|
|
Am nächsten Morgen bekommen wir tatsächlich den Polizeiblechkahn. Stevy und seine Freunde setzen uns einen nach dem anderen über den Omo. Die Überfahrt kostet 20 Dollar pro Motorrad. Sogar 15 l Benzin macht die Polizei für uns locker. So sollten wir problemlos bis nach Lodwar in Kenia kommen.
In den letzten Tagen hat es in dieser Region, die eigentlich eine Wüste ist, stark geregnet. So sind die Pisten schlammig und schwer zu befahren. Viele ausgetrocknete Flussbetten führen nun Wasser. Etliche dieser Flüsse durchqueren wir auf unseren hochbeinigen Katis ohne Probleme. Doch an einem breiten und reißenden Fluss verlässt uns das Glück. Gerd wird von den Fluten mitgerissen und einige Meter abgetrieben. Die KTM säuft im wahrsten Sinne des Wortes ab. Mit vereinten Kräften gelingt es uns die Maschine ans rettende Ufer zu bringen. Trotz Gerds Missgeschick stürzt sich Mark mit heulendem Motor in die Fluten. Er erreicht zwar nicht trockenen Fußes, so aber doch das andere Ufer aus eigener Kraft.
Trotz Demontage des halben Motorrades gelingt es uns nicht Gerds KTM wieder zum Leben zu erwecken.
So schlagen wir an Ort und Stelle unser Zelt auf und verbringen die Nacht hier. Die Hitze ist fast unerträglich. Am nächsten Morgen ist aus dem reißenden Fluss ein kleiner murmelnder Bach geworden. Hätten wir nur am anderen Ufer gewartet!
Wir verstecken die unwillige Enduro im Busch. Zu zweit fahren wir auf Marks Maschine in drei Tagen bis nach Nairobi. Hier mieten wir uns einen Jeep und bergen die gestrandete Maschine. Der Generalimporteur für KTM in Ostafrika Ian Duncan in Nairobi haucht der KTM neuen Lebenswillen ein.
Hier in Nairobi erhalten wir auch problemlos unseren Einreisestempel für Kenia, den wir an der Grenze mangels Grenzposten nicht kriegen konnten.
Die nun von uns geplanten 3 Wochen Strandurlaub in Malindi haben wir uns also redlich verdient.
Der folgende Teil des Berichtes erreichte uns am 8. Mai 2005.
|
|
|
Nairobi, eine moderne Stadt
|
|
Wie gesagt, wurden beide Maschinen in Nairobi gewartet, alle kaputten Glühbirnen und die abgerissenen Blinker ersetzt. Wir haben uns entschieden nicht nach Tiwi Beach zu fahren, sondern den ältesten Badeort Kenia, Malindi aufzusuchen. Es sind gut 600 km bis zum Strandparadies, die wollen wir in zwei Tagen abreißen. Doch einmal auf dem Motorrad läßt sich Mark auch von dem einen Plattfuß der uns eine Stunde Tageslicht kostet, nicht davon abbringen die ganze Strecke nahezu ohne Pause, außer der Flickerei, durchzubrummen. Der Nairobi - Mombasa – Highway ist lediglich eine Landstraße und teilweise in erschreckenden Zustand. Der Highway führt auch quer durch den Tsavo Nationalpark, von Wildtieren ist aber leider nichts zu sehen. In Malindi treffen wir im Dunkeln ein und die 600 km haben gereicht beide Rücklichter zu erledigen und bei Marks Kati geht auch das Frontlicht nicht mehr. Wozu haben wir sie in Nairobi bloß reparieren lassen.
Nach einer Nacht auf einem versifften Campingplatz ziehen wir in eine Bungalowsiedlung, die von einem Deutschen betrieben wird. Leider sind die Preise ganz schön gestiegen, so daß wir nur eine Woche buchen. Der deutsche Besitzer ist ein ehemaliger Traveller, vor dem Krieg, damit meint er den von 39 bis 45, ist er mit dem Rucksack einmal um die Welt. Leider ist er schon etwas verwirrt, und so entspinnen sich keine langen Gespräche.
Neben dem recht hohen Preisniveau schockt uns hier der Prostitutionstourismus. Einfach grotesk wie die alten weißen Säcke mit den schwarzen Mädels um die Häuser ziehen. Das könnte man ja noch ertragen, aber die handfeste Anmache, der wir Abends in den Kneipen ausgesetzt sind, setzt dem Ganzen dann doch die Krone auf. Laut Schätzungen der WHO sind 90 % der Prostituierten in Schwarzafrika HIV positiv.
Also donnern wir nach der einen Woche runter zum Tiwi Beach.
Und hier finden wir tatsächlich das Paradies, das wir suchten. Ein Cottage mit Küche 50 m entfernt vom Strand, zieht uns zwei Wochen lang in seinen Bann. Bei den einheimischen Fischern kaufen wir frischen Fisch, dazu das frische Obst und morgens kommt eine Bäckerin und verkauft Brötchen, das ganze bei herrlichem Wetter. Man war es schwer da wieder weg zu fahren. Aber zwei Wochen Urlaub sind ja auch nicht schlecht. Die langen Abende, versüßt durch südafrikanischen Wein und dem Wellenrauschen, verbringen wir auf unserer Terasse und philosophieren über Gott und die Welt. Herrlich so die Seele baumeln zu lassen.
Doch nun ruft der Berg, nicht irgendeiner, sondern der Mount Kenia. Der zweithöchste Berg Afrikas. Da wir keine technischen Kletterer sind, Flachlandgermanen wie wir sind, reizt uns nur der Point Lenana, der zweithöchste Gipfel des Massives. Aber auch hier soll noch Schnee liegen. In drei Tagen fahren wir auf dirt roads, wie man hier zu den Pisten sagt, durch den Busch zum Chogoria gate. Auf 3000 m parken wir die Maschinen am Eingang des Nationalparks. Hier schlafen wir eine Nacht, um uns an die Höhe zu gewöhnen. Da wir in einem Nationalpark wandern, muß Eintritt und eine Campinggebühr berappt werden. Alles in allem 23 Dollar pro Tag und Nase. Da wir kräftige Kerle sind verzichten wir auf Träger und schleppen unseren Krempel selbst. Wenn eine Wanderergruppe aus zwei Leuten besteht braucht man auch keinen Führer anheuern. So machen wir uns nur mit unserem Papierguide (Wanderkarte) auf in die einsame Bergwelt.
Am nächsten Morgen starten wir unsere alpinistische Exkursion. Wir wollen bis auf 4200 m rauf zum Minto’s Hut. Dort soll das Zelt dann zwei Tage stehen bleiben, während wir dann am nächsten Tag den Gipfelrundweg mit leichtem Gepäck unter die Sohlen nehmen, um dann am dritten Tag den Gipfel zu bezwingen und abzusteigen. Das ist der Plan.
Die Rucksäcke würden Reinhold Messner zur Ehre gereichen, denn wir haben kein leichtes Trekkingzelt, sondern unser luxuriöses Riesending dabei, und dazu die nicht gerade leichten Motorradjacken, denn andere haben wir nicht. Alles in allem ist die Ausrüstung die wir mitschleppen zweckmäßig aber zu schwer.
|
|
|
unser Zelt auf 4000 m Höhe am Mount Kenia
|
|
Trotzdem kommen wir gut voran. Das GPS zeigt uns wie zügig wir an Höhe gewinnen. Die Bergwelt zieht uns in ihren Bann. Als alte Schottlandurlauber kommen wir uns hier eher wie in den Highlands vor, als in Afrika. Einfach schön. Zum Mittag gibt es den aus Deutschland mitgeschleppten Hightech Fraß, der aussieht wie Babykacke und auch so schmeckt, aber energiereich sein soll. Dann geht’s weiter. Immer weiter hinauf. Die Luft ist schon merklich dünn, so schnaufen wir wie zwei Walrößer. Auf 4000 m geraten wir in eine dichte Wolke und kommen vom Weg ab. Wer hier europäische Wanderwege und Markierungen erwart der wird enttäuscht. Pfadfinderkenntnisse sollte man schon besitzen. So steigen wir nicht zur Minto’s Hut auf, sondern 250 Höhenmeter zum Lake Michelson ab. Als wir unseren Fehler bemerken beschließen wir am Ufer des Sees, der plötzlich aus der Wolke auftaucht, zu nächtigen und morgen den Rest bis zur Hütte aufzusteigen, denn für heute reicht es uns.
Schnell steht das Zelt und kochen die Spaghetti. Die Wolken haben sich fast alle verzogen und wir genießen die traumhafte Landschaft. Schroffe, sich im See spiegelnde Felsen berauschen uns, oder ist es die Höhenkrankheit? Leichte Kopfschmerzen zeigen uns, daß wir doch ganz schön hoch sind.
Aber nun ab in die Falle. Da die Nacht sicher kalt wird haben wir sämtliche Klamotten an, das heißt die Thermoinletts der Motorradklamotten, und die Fleecepullover, dazu zwei paar Socken und die Omas (Sturmhauben) schmücken die Haartracht.. So kriechen wir in die Schlafsäcke, aufgepeppt mit dem Yetifell. Dicht kuscheln wir uns aneinander um uns gegenseitig etwas Wärme zu spenden. Doch wir frieren nicht in der Nacht, uns wird sogar richtig schön warm.
Doch am nächsten Morgen geht es uns beschissen wie noch nie. Die Schädel dröhnen wie Kirchenglocken und scheinen auch so groß zu sein. Es ist die Höhenkrankheit, und sie hat uns beide erwischt. Wir haben Kopfschmerzen wie bei einem Kater, als hätten wir die ganze Nacht durchgesoffen, nur viel schlimmer. Wir sind uns einig, das wir runter müssen von diesem Berg.
Zwei Stunden brauchen wir um das Zelt abzubauen und alles zu verpacken, denn jedes mal Bücken und auch das Aufrichten verursachen Höllenqualen.
In diesem Zustand müssen wir als erstes die 250 Höhenmeter die wir gestern Abend runter sind wieder rauf. Doch unsere gestählten Organismen bewegen sich wie Maschinen den Berg hinauf. Mit jedem Schritt wird der Kopfschmerz und die Übelkeit schlimmer, doch nach einer Stunde sind wir “oben” und können mit dem Abstieg beginnen. Der traumhaften Landschaft, die heute ohne Wolken vor uns liegt, können wir gerade mal registrieren, genießen können wir sie nicht. Nach 5 qualvollen Stunden sind wir unten, die Kopfschmerzen haben wie erwartet nachgelassen, und wir sind froh am Leben zu sein.
Den Berg den wir so einfach bezwingen wollten hat uns bezwungen, wie wir um eine schmerzhafte Erfahrung reicher, zugeben müssen.
Auf der Ringstraße des Mount Kenia schwingen wir auf dem recht guten Asphalt nach Norden in Richtung Meru. Hier machen wir ein paar Tage Rast, um uns von den Wanderstrapazen zu erholen.
Auf abgelegenen Pisten durch Nordkenia wollen wir nun zum Mount Elgon fahren und uns die Elefantenhöhlen dort ansehen. Die Pisten gelten als die härtesten Kenias. Das reizt uns natürlich. Mehrere Tage tauchen wir ein in die Wildnis. Herrlich so zu fahren, mit dem Fotoapparat den Zebras hinterher zu pirschen und dann abends am Lagerfeuer zu sitzen.
|

|
|
rote Erde grüne Bäume, die Regenzeit
|
|

|
|
Flußdurchfahrt im Norden
|
|
Mitten im Nirgendwo macht Gerds Maschine plötzlich komische Geräusche. Die Ventile machen sich lautstark bemerkbar. Sonderbar. Nach einer mehrstündigen Abkühlphase machen wir uns über die Maschine her. Das Spiel der Einlaßventile ist riesig. Wie kommt denn das? Wir stellen es ein, beschließen aber unsere Route zu ändern und nach Nairobi zu fahren. Dort soll sich Manor, der Mechaniker der KTM-Werkstatt, das mal genauer ansehen. Wir schaffen es in zwei nervenaufreibenden Tagen bis nach Nairobi.
Hier streckt uns eine heimtückische schnelle Machuti (Scheißerei) für ein paar Tage nieder. Zum Glück haben wir ein Klo auf dem Zimmer und genügend Klopapier. Nach vier Tagen geht es uns wieder etwas besser.
Beim KTM Händler stellt sich heraus, dass die Nockenwelle total verschlissen ist. Sie haben keine auf Lager, die muß aus Österreich geschickt werden. Vier Wochen dauert das mit der Post, eine Woche mit DHL. Wir entscheiden uns für DHL. Doch auch nach der Montage der neuen Nockenwelle macht der Motor komische Geräusche. Bruce meint es ist ein unwichtiges Lager in der Schaltbox, damit kann man fahren. Nach einer Probefahrt hat sich das Geräusch nicht gerade gebessert und wir geben das Motorrad wieder in die Werkstatt. Hier wird der Motor zerlegt und ein kaputtes Kupplungswelleneingangslager ausgetauscht. Die Motorzerlegung und die Reparatur hat gerade mal 290 Euro gekostet. Wer also einen kaputten KTM-Motor hat, sollte damit mal Urlaub in Kenia machen. Jetzt schnurrt sie wieder. Da das ganze über Ostern passierte verbrachten wir so vier Wochen in Nairobi.
Die Straßenhändler, den Typen vom Internetcafe, der Kinokartenverkäufer und die Besitzer verschiedener Lokale begrüßten uns schon mit Handschlag, doch jetzt geht’s endlich weiter nach Tanzania, denn unser Dreimonatsvisa ist fast abgelaufen.
Bis nach Arusha in Tansania brauche wir nur einen Fahrtag. Arusha ist die Touristenstadt in Tansania, denn von hier aus geht es zur Serengeti, zum Ngorogorokrater und zum Kilimanjaro. Entsprechend gut entwickelt ist die Infrastruktur. Wir machen nur einen kurzen Stopp und brechen dann auf in die Massaisteppe. Hier sehen wir tatsächlich Giraffen und Gnus in freier Wildbahn. Wahnsinn. Daneben die Massais in traditioneller Kleidung auf Fahrrädern mitten im Busch, ein Bild für die Götter!
Doch die Regenzeit ist noch nicht zu Ende. Immer wieder sorgen plötzliche Flussbetten mitten auf der Piste für echtes Abenteuerfeeling. Man muss sich richtig anstrengen um ein paar Meter vorwärts zu kommen, sich was ausdenken und sein Motorrad noch besser kennen lernen. Aber deswegen sind wir ja hier!
Doch das dünne Tankstellennetz in der Steppe zwingt uns bald wieder an deren Rand, auf die großen Straßen. Was sind schon 28 l mitten in Afrika, vielleicht 400 km? Das ist nicht viel, vor allem wenn man auch mal den falschen Abzweig nimmt, weil der richtige der Regenzeit zum Opfer gefallen ist.
So treffen wir nach ein paar Tagen in Dar Es Salam ein. Auf dem Mikadi Beach Club beziehen wir eine Banda und warten auf das Visum für Mosambik. Endlich haben wir wieder den warmen Ozean vor der Tür.
Inzwischen sind Mark und Gerd wieder Zuhause angekommen. Unzählige Eindrücke und viele tolle Bilder haben Sie mitgebracht. Hier nun der letzte Teil ihres Reiseberichtes.
Tansania
Mit dem Visa für Mosambik in der Tasche machen wir uns auf, das ehemalige Deutsch Ostafrika zu erkunden. Eine schöne große Runde durch Tansania soll es werden.
|

|

|
|
Mark in einem Dorf
|
übermannshohes Gras
|
|
Beim Aufsitzen am Morgen des Aufbruchs macht Marks Motorradkomische Bewegungen, und als er ein bisschen schaukelt, schaukelt sich die ganze Fuhre auf wie ein Schaukelpferdchen. Der Stoßdämpfer hat das Öl verloren, und damit seine Fähigkeit die Schwingungen der Feder zu dämpfen. Naja es sind ja nur noch 8500 Kilometer bis zur nächsten Werkstatt in Lusaka, so lange muss er eben mit seinem Körper Gegenschwingungen erzeugen, um ein Aufschaukeln des Systems zu verhindern. In der Theorie hört sich das ja auch ganz gut an, wie das in der Praxis aussieht, wird sich erst noch zeigen müssen.
|

|
|
Junges Mädchen
|
|
Auf Asphalt rollen wir an einem Tag bis nach Dodoma, der Hauptstadt Tansanias. Das im Reiseführer beschriebene Hotel liegt an einer staubigen Piste 500 m vom “Stadtzentrum” entfernt. Dodoma wurde nach der Unanhängigkeit im Herzen des Landes als neue Hauptstadt auserkoren. Sicherlich mit dem Ziel eine zweite Großstadt, wie Nairobi in Kenia, zu errichten. Leider hat der Plan nicht so richtig funktioniert, und so ist Tansania wohl das einzige Land das keine Hauptstadt, sondern nur ein Hauptdorf besitzt.
Schon am nächsten Morgen verlassen wir Dodoma und fahren weiter nach Westen. Die Piste wird gerade von einer
chinesischen Straßenbaufirma zum Highway ausgebaut. Er soll Tansania mit Burundi verbinden. Die Baustraße verlangt von Mark so 20 Kniebeugen pro Minute, um nicht vom ungedämpften Motorrad zu fallen. Aber so ein bisschen Sport hat ja noch niemandem geschadet, und der Mensch ist ja ein Gewöhnungstier.
Die Pisten sind nicht so schlecht wie in Kenia, man erkennt deutlich, dass sie gepflegt werden. Immer wieder überholen wir ein paar Baumaschinen, die jetzt kurz nach der Regenzeit die Pisten reparieren. Auf ihnen ist es ein Riesenspaß durch den Busch zu fahren. Alle 300 Kilometer kommt eine größere Stadt, die die Benzinversorgung sichert Vielfach sind auch schon Teilabschnitte des neuen Highways fertig und so kommen wir gut voran. Es stellt sich wieder der Rythmus aus Fahren und Schlafen ein. Jeden Abend findet sich ein guter Rastplatz im Busch. Schnell schlagen wir das Zelt auf und kochen uns etwas zu Essen. Meistens Spaghetti oder Reis. Dann kommen auch schon die ersten Besucher vorbei. Doch die Tansanier sind nicht so aufdringlich wie die Kenianer oder gar Äthiopier. Nach einem kurzen woher und wohin ziehen sie alle ihres Weges, ohne uns ewig zu belagern. Nach vier harten Tagen im Sattel erreichen wir Kigoma.
|

|
|
Piste im Norden auf dem Weg zum Takanjikasee
|
|
Kigoma ist der Endpunkt der von den Deutschen zu Kolonialzeiten erbauten Mittellandbahn. Der Bahnhof steht direkt am
See und ist auch gleichzeitig der Hafen. Auf dem See verkehrt noch immer die ehemalige “Graf Götzen”. Fast hundert Jahre hat der Kahn jetzt auf dem Buckel und ist immer noch das größte Schiff auf dem See. Die Schiffslinie verbindet Tansania, Sambia, die Dem. Rep. Kongo und Burundi miteinander.
Wir quartieren uns im Tanganjika View Hotel direkt am Ufer des tiefsten Sees Afrikas ein. Glasklar ist das Wasser, erfrischend kühl und bilharziosefrei. Der Tanganjikasee ist einer der klarsten Gewässer der Welt, und er ist klar. Unter Wasser kann man gut und gerne 50 m weit sehen. Viele der Aquarienfische sollen von hier kommen, doch trotz des klaren Wassers sehen wir keine bunten Fische.
Nach drei Tagen haben wir genug vom Strandurlaub. Die Straße ruft wieder. Nun geht es nach Süden. Das nächste Etappenziel ist Sumbawanga, das klingt doch schon richtig nach Afrika, Sumbawanga. Bis dahin sind es rund 600 Kilometer Piste, von denen laut Reiseführer 300 km vor 30 Jahren aufgegeben wurden. Genau das richtige für uns und unsere KTM’s.
|

|
|
Nachtlager in der Massaisteppe
|
|

|
|
Spät am Abend des zweiten “Rallyetages” haben wir die sechshundert Kilometer geschafft und rollen nach Sumbawanga, was für ein klangvoller Name, hinein. Mir schmerzen die Handgelenke wie verrückt, wie es Marks rechter Hand geht will ich mir nicht mal vorstellen. Doch wir gönnen uns keine Pause, schon nächsten Morgen geht es weiter nach Kasanga, dem ehemaligen Bismarckburg. Denn hier warten die Kalambo Falls auf uns. Dreihundert Meter stürzt hier das Wasser vom Escarpment in den afrikanischen Grabenbruch, auf dessen Grund der Tanganjikasee liegt. Der Wasserfall ist nicht erschlossen. Kein Wegweiser, nichts zeigt uns den Weg dahin. Wir haben nur eine Beschreibung und eine selbstgezeichnete Karte des Hotelbesitzers aus Kasanga. Im letzten Dorf, dass auf unserer “Karte” eingezeichnet ist, halten wir an. Sofort sind wir von netten Menschen umringt. Wandern in Motorradklamotten bei Temperaturen jenseits der 30° C ist nicht gerade prickelnd. So ziehen wir uns inmitten der Menschenmenge, die uns so dicht umringt das schon die Luft zum Atmen knapp wird, um. Die Frauen des Dorfes haben ihren Spaß daran. Wann kriegen sie schon mal “Weiße” zu gesicht, und dann auch noch halbnackte! Schnell heuern wir einen Führer an. Doch dann brauchen wir auch noch einen Dolmetscher, der Englisch kann und so haben wir am Ende gleich drei Führer. Nach einer kurzen Wanderung erreichen wir den Wasserfall und sind erstmal sprachlos. Atemberaubend! Und diese Einsamkeit bei so einem Naturschauspiel! Außer uns ist niemand hier. Wir haben den Wasserfall ganz für uns allein und genießen ihn in vollen Zügen.
|

|
|
Inselberg in Südtansania
|
|
|
|
Usambaraberge mit einer typischen Hütte
|
|
Nach diesem kurzen Abstecher setzen wir unsere Reise im Rallyetempo fort. Denn nun geht es durch ein Tse Tse Fliegen verseuchtes Gebiet. Diese Viecher sind etwa so groß wie Pferdebremsen und ihr Biss schmerzt noch stärker, als der ihrer europäischen Verwandten. Pausen sind schlicht unmöglich. In regelrechten Schwärmen fallen die Blutsauger über uns her. Kein Wunder dass hier kein Mensch wohnt! Die Viecher sind eine richtige Plage! Zum Glück sind sie nur tagaktiv, sodass wir wenigstens Abends und Morgens unsere Ruhe haben.
In Mbeya machen wir mal wieder einen Service an beiden Maschinen. Marks ist nicht sehr dankbar dafür, denn der Kupplungsbowdenzug reißt. So ein Mist! Nun ist guter Rat teuer, denn den Ersatzzug haben wir unterwegs verbummelt. Doch wir sind in Afrika und nicht auf dem Mond! In einem der vielen Mopedläden in Mbeya erstehen wir einen Draht für eine 125er Suzuki und fädeln den in die alte Ummantelung. Die Betätigungskräfte liegen jetzt zwar jenseits von Gut und Böse, aber wenigstens wird dadurch das einseitiges Beintraining durch Handmuskeltraining ergänzt.
Von Mbeya geht es nach Mtwara am Indischen Ozean. Wie jeden Morgen tritt Mark seine KTM an, denn seit Süditalien macht der E-Starter seiner KTM seltsame Geräusche, die auf ein baldiges Ableben hindeuten könnten. “Verdammt, so ein Mist! Das gibt es doch gar nicht! Jetzt reicht’s mir aber!” Lautes Fluchen begleitet das Schnurren des LC 4 Aggregats. Mark liegt neben seinem Motorrad auf dem Boden. Der rechte Fuß hängt immer noch am Kickstarter. Dieser hat sich durch die Sohle des dicken Wanderstiefels gebohrt und steckt nun immer noch da drin. Er befreit sich und untersucht seinen Stiefel. Die Sohle hat ein Loch, doch es hat sich ganz gut geschlossen. Als uns Joe Pichler von Japanern auf den Zweitaktern erzählte, die ihre Turnschuhe durchs Antreten ruinierten, haben wir noch gelacht. Das uns so etwas auch passieren könnte, haben wir nicht erwartet.
Südlich des Selous Nationalparkes schlagen wir uns nach Osten, zum indischen Ozean durch. Diese Route ist schon so alt wie der Sklavenhandel. Teilweise kommt es mir so vor, als wäre die Piste auch noch aus dieser Zeit. Der arabische Einfluss wird in jedem Dorf durch kleine Moscheen und die typische Kleidung der Einwohner deutlich. Ich komme mir teilweise wieder so vor, wie im Sudan. Dattelpalmenhaine, verschleierte Frauen und Männer in der Gallabia.
|
|
|
Bootsfahrt über den Rovuma
|
|
Endlich erreichen wir Mtwara. Hier kriegen wir die letzten Zuckungen der Regenzeit mit und werden das erste Mal richtig nass. Na wenigstens führt der Rovuma, der Grenzflusß zwischen Mosambik und Tansania dann ordentlich Wasser, sodass das übersetzen kein Problem werden sollte. Von Mtwara sind es noch einmal 50 km bis zum Grenzfluss. Der Weg ist nicht ausgeschildert, doch die freundlichen Menschen in den Dörfern erklären uns gern den Weg. Leider sind die Pisten durch den Regen ganz schön schmierig. Unsere Hinterreifen sind nicht mehr die besten und so schleichen wir vorsichtig nach Süden. Mitten im Nichts steht plötzlich das Grenzhäuschen der Tansanier. Problemlos kriegen wir unsere Stempel in die Pässe gedrückt. Nun sind es nur noch ein paar Kilometer bis zum Fluß. Hier lauert schon ein Fahrradfahrer, der uns zum Fluß führt. Nun geht es rüber nach Mosambik.
Mosambik
Eine Anlegestelle oder so etwas in der Art ist nicht zu finden. Der Fluß ist breit, von vielen Sandbänken und Inseln durchsetzt und die “Anlegestelle” auf der anderen Seite ist nicht zu sehen. Ein extrem schlammiger Pfad, der richtig moddrig ist vom Regen der letzten Tage, endet vor der Fähre. Doch unser Führer will uns mit dem Motorboot seines Kumpels übersetzen. Der Spaß soll 100 Dollar für beide Motorräder kosten. Was?! Ist der Wahnsinnig? So frage ich einen alten Mann, der auf der Fähre sitzt, warum diese denn nicht verkehrt. Die Fähre kann nur bei Flut auslaufen, da nur dann das Wasser im Fluß hoch genug ist. Etwa um vier Uhr wäre das. Na gut dann warten wir. Wir haben ja Zeit. Doch auf wundersame Weise hat sich plötzlich der Preis für das Motorboot halbiert. Wir können sofort ablegen. So entscheiden wir uns doch für die abenteuerliche Variante des Motorbootes. Schnell sind beide KTM’s verladen und wir legen ab. Etwa 45 Minuten brauchen wir für die Überfahrt, denn es geht kreuz und quer zwischen den Sandbänken, auf denen sich so manches Krokodil sonnt, hindurch.
|
|
|
typisches Dorf in Nordmosambik
|
|
Auf der anderen Seite werden die Motorräder ausgeladen. Hier ist auch gleich das erste Dorf. Schnell wird Geld getauscht und nun können wir weiter. Doch auch hier ist der Weg extrem moddrig. Irgendein LKW, vielleicht war es auch ein Panzer, hat ihn total aufgewühlt. Die Leusen stehen voller Wasser. Die jungen Männer wollen uns durch den Dreck schieben, doch wir lehnen ab. Das bisschen Schlamm werden wir schon schaffen, schließlich sind wir erfahrene Enduristen, und die Katis lechzen regelrecht nach einer Schlammschlacht. So stürzen wir uns mit heulenden Motoren in den Dreck. Mark zirkelt um die ersten drei vier Löcher locker herum, ich habe nicht so viel Glück und stecke schon im zweiten fest.
Doch fünf sechs junge Mosambikaner sind sofort zur Stelle und schieben die Karre aus dem Dreck, ich brauche dazu nicht einmal absteigen. Das wäre geschafft. Doch die Panzerbahn ist noch nicht zu Ende. Gut 5 km sind es, bis wir das Gröbste geschafft haben. Was für eine Schinderei! Wir sind beide fast am Ende. Ohne die tatkräftige Hilfe der Schieber hätten wir hier Stunden gebraucht. Hoffentlich der Weg wird jetzt besser. Die fleißigen Schieber werden fürstlich entlohnt, und dann geht es weiter.
|

|
|
eine Tankstelle
|
|
Nach ein paar weiteren sehr sandigen Kilometer erreichen wir den mosambikanischen Grenzposten. Auch hier geht alles seinen ordentlichen Gang. Der eine Zöllner spricht sogar fließend Deutsch, denn er hat unter Erich Honecker 8 Jahre in Magdeburg gelebt. Da wir ja auch Ossis sind, haben wir gleich was gut bei ihm. Keine Ahnung, was der ausgefressen hat, um hier her “verbannt” zu werden. Auf die Frage nach dem Straßenzustand meint er nur: “Ein sehr schlechter Weg!” Straße traut er sich gar nicht zu sagen. Na das kann ja was werden!
Die nächsten 80 Kilometer fahren wir wieder im Motocrossstil, denn der Weg ist wie bei uns ein Feldweg, mit zwei tiefen Spurrinnen. Doch bestehen die Spuren nicht aus festem Sand, sondern aus feinstem Sand. Und so drehen wir rechts so richtig auf Spaß und behelfen uns mit der Trossmannschen Rütteltechnik. .
In Mosimboa de Praia, der ersten größeren Stadt, mieten wir uns für eine Nacht in einem lokalen kleinem Resthouse ein. Die nördlichen Städte in Mosambik sind nicht an ein Stromnetz angeschlossen. Hier steht in irgend einer Hütte ein großer Schiffsdiesel und der wird jeden Abend von sechs bis um zehn Uhr angeschmissen und erzeugt den Strom für die Stadt. So beginnen plötzlich zur besten Feierabendzeit alle zu arbeiten. Trennschleifer kreischen, Schweißgeräte blitzen auf und allerhand andere elektrische Geräte nehmen ihren Dienst auf.
Nach diesen recht anspruchsvollen Tagen erholen wir uns in Pemba am Strand ein paar Tage auf “Russels Place”. Nur schon die mosambikanische Küche, die wir in den paar Tagen hier kennen lernen, ist den Abstecher in die ehemalige portugiesische Kolonie wert. Endlich gehören “chicken and chips” der Vergangenheit an, und wir laben uns an köstlichem Fisch und anderem Meeresgetier. Hier lernen wir auch Helga und Wolfgang aus Windhoek kennen. Sie laden uns ein sie in ihrer Heimat zu besuchen.
|

|
|
Kolonialbauten auf der Idhla de Mosambique
|
|
|
|
ehemalige Eisenbahnbrücke über den Sambesi
|
|
Nach der kleinen Ruhepause am Strand steht ein bisschen Kultur an. Die Insel Idlha de Mozambique wollen wir besuchen. Die Insel ist ein Juwel, wenn er zur Zeit auch nicht gerade blinkt und blitzt. Alte Kolonialbauten versetzen den aufmerksamen Besucher in eine andere Zeit. Die alte Festung, den Palst und so weiter alles Dinge, die ich in so gut erhaltener Form hier nicht erwartet hätte. Einen ganzen Tag schlendern wir durch die Gassen von Stonetown auf den Spuren der Konquistadoren.
Doch nun wartet der Sambesi. Normalerweise bräuchten wir nicht so weit nach Süden fahren, um nach Malawi zu gelangen. Doch wir wollen den Sambesi sehen. Er ist breit. Sehr breit, dagegen ist der Nil ein kleines Rinnsal. Eine neue Fähre bringt uns ans andere Ufer. Die Fundamente und die ersten Brückenpfeiler warten hier schon seit 40 Jahren auf die Vollendung einer Brücke. Auf der anderen Seite folgen wir dem großen Strom einige Kilometer flußaufwärts bis nach Nhamilabue. Hier überquert eine alte Eisenbahnbrücke den Fluß. Züge fahren schon lange nicht mehr, denn die Gleise wurden im Bürgerkrieg vermint und gesprengt. Doch die Brücke ist jetzt für den Autoverkehr geöffnet. Es besteht allerdings nur eine Fahrspur. So darf man eine Stunde lang von Nord nach Süd und die nächste dann von Süd nach Nord übersetzen. Diese Brücke ist der Grund für unseren Abstecher zum Sambesi. Sie ist gut 3 km lang und ein gigantischer Stahlskelettbau. Der Belag besteht aus Holz und wurde genau auf die alten Schwellen geschraubt. Zwischen den Balken kann man tief unten bis ins Wasser gucken, also blos nicht stürzen. Drei Kilometer holpern wir über dieses Bauwerk, doch es kommt mir viel länger vor. Beim Hineinfahren in den “Tunnel” des Stahlskeletts kann man das Ende der Brücke nicht einmal erahnen. Doch wir kommen beide gut über den Fluß. Die Brücke ist wirklich eine Reise wert.
Nach weiteren 20 Kilometern auf einer schmalen Sandpiste erreichen wir die Grenze zu Malawi. So verlassen wir das Brasilien Afrikas schon wieder.
Malawi
“Das warme Herz von Afrika” wie Malawi genannt wird, betreten wir ganz im Süden bei Nsanje. Es ist schon später Nachmittag, und die Beamten sitzen vor ihrem Büro und trinken bereits Bier. Ihr Blick scheint zu sagen, was wollt ihr denn jetzt noch hier. Doch dann geht alles ganz zügig. Die Pässe und die Carnets sind schnell abgestempelt. Ein anderer wichtiger Mann kontrolliert unsere Impfausweise. Das ist das erste Mal, dass die einer sehen will.
|

|
|
die Reifen sind am Ende
|
|
Wir brauchen neue Hinterreifen und hoffen diese in Blantyre oder in der Hauptstadt Lilongwe kaufen zu können. So donnern wir auf den recht guten Asphaltstraßen nach Norden. Die Bergwelt im Süden erinnert mich stark an Italien, und entsprechend fix sind wir unterwegs. Weder in Blantyre noch in Lilongwe sind Reifen aufzutreiben. Selbst die großen Reifenhändler können keine Motorradreifen aus Südafrika organisieren. Die meisten sind schon stolz uns Mopedreifen anbieten zu können. Doch wenn sie die dann an unsere Hinterreifen halten, sagen sie, daß sie noch nie so große Motorräder gesehen haben. Dabei sind das doch gerade mal 600er.
So beschränkt sich unser Malawi Aufenthalt lediglich auf eine Woche Ferien in Nkhata Bay am Malawisee im Norden des Landes. Hier ist das Wasser wieder richtig klar, und sowie man eintaucht ist man von vielen bunten, kleinen Fischen umgeben. Ein Paradies für Schnorchler. In einer Wazungu Lodge verweilen wir eine ganze Woche und treffen einen ganzen Haufen Reisender und noch viel mehr Arbeiter von Hilfsorganisationen.
An meinem Motorrad tröpfelt der Vergaser seit einiger Zeit. Es läuft Benzin aus dem Überlauf der Schwimmerkammer. Die Innereien sind verschlissen und wir hoffen noch bis zum nächsten KTM Händler in Lusaka zu kommen.
Nach der Woche Ferien düsen wir auf den guten Straßen auch schon weiter nach Sambia.
Sambia
|
|
|
unverwüstliche Technik aus Ludwigsfelde: W50
|
|
Für Sambia brauchen wir wieder ein Visa. Doch da gibt es einen Trick. Mit einer Einladung bekommt man den Stempel kostenlos in den Pass gedrückt und spart dann die 35 Dollar pro Person. So eine Einladung haben wir uns von der Chachacha Backpackerlodge natürlich via Internet besorgt, und es funktioniert auch problemlos an der Grenze.
Auf der relativ guten Asphaltstraße schaffen wir es in zwei Tagen von Lilongwe in Malawi nach Lusaka, der Hauptstadt Sambias. Am zweiten Tag verbraucht Gerds Maschine plötzlich über 10 l Benzin auf 100 km. Der Vergaser ist nun total verschlissen, und das Schwimmernadelventil schließt nicht mehr. Die Benzinpumpe fördert also ihre Maximalmenge, und alles was nicht vom Motor verbraucht wird, läuft einfach über den Überlauf auf die Strasse.
Was nun? Die Abstände zwischen den Tankstellen betragen gut 300 km und mehr. Bei zehn Liter pro 100 km sind die mit meiner KTM so nicht mehr zu schaffen. Wir müssen uns also was ausdenken. Okay, wenn das Ventil nicht von allein schließt, dann muss man eben selber den Querschnitt der Benzinleitungen verringern. Was liegt da näher als einfach nur den Benzinhahn so weit wie möglich zu schließen? Gesagt getan, und siehe da, es klappt. So erreichen wir mit zwei runtergekommen Maschinen Lusaka, und damit den ersten KTM Händler seit 12.000 Kilometern. Hoffentlich der kann uns helfen. Doch er betreibt sein Geschäft nur als Hobby. Joe Pichler ist hier auch eingekehrt. Julie die Frau des Motorradfreaks ist immer noch von dem 950ziger Piloten und seinen Abenteuern begeistert. Marks Stoßdämpfer kann er leider nicht reparieren, denn dafür fehlt ihm das Werkzeug. Doch er repariert meinen Vergaser und besorgt alles andere. Doch es dauert eine Weile, und so besuchen wir derweil die Victoriafälle.
Die Fälle sind atemberaubend. Die Fallkante ist fast 1,7 km breit. Doch die Breite kann man nicht überblicken, denn die Gischt läßt je nach Wind nur ein paar hundert Meter zu. Herrlichste Regenbögen tauchen das Naturschauspiel in bunte Farben. Herrlich! Einen ganzen Tag verbringen wir nur mit dem Beobachten des Wasserfalls.
Dann muss der Adrenalinspiegel wieder etwas in die Höhe geschraubt werden. Wir buchen ein Raftingtour in der Heimat der Krokodile. So wechslen wir den KTM Lenker gegen ein Paddel und wagen uns mit einigen anderen Verrückten durch die Stromschnellen des Sambesi. Das Wasser ist trotz des “Winters” angenehm warm, und die Sonne brennt vom wolkenlosen Himmel. Krokodile sehen wir leider oder zum Glück nicht.
Zurück in Lusaka treffen wir auf Marlis eine Schweizerin, die allein auf dem Weg nach Nairobi ist. Wir verbringen ein paar Abende zusammen und verabreden uns, in Windhoek auf ein Bier.
Mit neuen Reifen und frischen Öl geht es auf zum Kafue Nationalpark im Westen des Landes. Durch die Unwissenheit der Rangerfrau kommen wir sogar mit den Motorrädern in den Park. An den Rand des Itezhi Tezhi Stausee kommen alle Tiere zum Saufen. So sehen wir hier Zebras, Wasserböcke, Pukus und Warthogs. Auf einer kleinen Insel die durch einen etwa 50 m breiten Wasserstreifen vom Land getrennt ist tummeln sich sogar Flusspferde. Wie glänzende Steine sehen die mächtigen Leiber aus. Doch dann wagen wir uns weiter in den Busch vor. In einem Wäldchen sollen häufig Elefanten zu sehen sein. Die Pisten im Park sind sehr schlecht. Plötzlich stoppt Mark und winkt wild mit den Armen. Schnell mache ich den Motor aus. Was ist denn los? Da sehe ich gerade noch einen Elefanten über den Weg laufen. Der Puls beschleunigt sich, und das Adrenalin treibt mir den typischen Eisengeschmack in den Mund. Schnell sind die Motorräder aufgebockt, der Fotoapparat herausgerissen, und wir schleichen uns an eine Herde von etwa 10 Tieren heran. Zwei kleine sind auch dabei. Einer flattert ganz stark mit den Ohren, als wollte er los fliegen. Das Herz schlägt mir bis zum Halse. Man sind die riesig. Aufregung und Angst mischen sich zu einem unglaublichen Gefühl der Freude. Endlich haben wir unsere ersten Elefanten gesehen. Ein Satz aus dem Reiseführer schießt mir plötzlich durchs Hirn: “Im Kafue Nationalpark wurde gewildert. Viele Elefanten wurden mehrmals angeschossen. Deshalb greifen sie sofort an, wenn sie einen Menschen sehen. Vorsicht!” Trotzdem beobachten wir lange, wie die riesigen grauen Leiber durchs hohe Gras “schweben”. Irgendwann überwiegt die Vernunft oder die Angst und wir kehren um. Schließlich haben wir gesehen, was wir zu sehen hofften. Elefanten! Wahnsinn! Kein Netz kein doppelter Boden, wir stehen hier, und 50 m entfernt bewegen sich diese riesigen Tiere. Wir trauen uns nicht durch die Herde zu fahren, und so kehren wir um und verlassen den Park auf dem gleichen Weg, den wir gekommen sind. Vom Heimweg kriege ich kaum was mit, denn immer wieder tauchen die grauen Riesen vor meinem inneren Auge auf. Den Abend verbringen wir an unserem Lagerfeuer und lassen das herrliche Erlebnis immer wieder Revue passieren. Herrlich!
|

|
|
drei Esel warten auf die Fähre über den Sambesi
|
|
Die folgende Etappe ist wieder eine echte Herausforderung. Der Reiseführer empfiehlt die Strecke am Sambesi nach Süden nur im Expeditionsstil unter die Stollen zu nehmen. Unsere Wüstenschiffe sind genauso heiß auf die extreme Sandetappe wie wir. Endlich hat das Asphaltgebrumme wieder ein Ende.
Doch was nun kommt ist echt der Hammer! Wir sind in den Ausläufern der Kalahari. Der Sand ist bodenlos, und die LKW haben hier Spurrinnen gefräst, wie wir sie nur sehr selten gesehen haben. Pech ist, das wir genau in ihnen fahren müssen, denn links und rechts der Piste steht dichter Busch. An einer leichten Steigung verbreitert sich die Piste auf 30 m und der Sand sieht aus wie frisch umgepflügt. Ich fahre vor, Mark folgt wegen der Staubentwicklung mit großem Abstand. In den Rasten stehend gebe ich richtig Gas und bringe das Körpergewicht nach hinten. Doch was ist das?
Unter dem Sand verbergen sich Knüppel und Äste und anderes Zeug! Wer hat denn diesen Dreck hier reingeschmissen? Natürlich LKW Fahrer, die hier steckengeblieben...
Ich fasse einen dicken Ast, und die Maschine wird aus der halbmetertiefen Spurrinne herauskatapultiert. Nur um gleich darauf wieder in der Nachbarrinne zu verschwinden. Ohne Kupplung schalte ich in den dritten runter und gebe Vollgas. Wie durch ein Wunder stabilisiert sich das Rallyegeschoss unter mir, und wir fliegen den Hang hinauf. Mit zitternden Händen halte ich an und sehe, wie mein großer Bruder ohne Schwierigkeiten die fiese Schikane durchpflügt. Danke nach Mattighofen für die Reserven der Fahrwerke!
Nach sechs anstrengenden Stunden liegen die 200 Kilometer, die jeder Sonderprüfung zur Ehre gereicht hätten, hinter uns!
Die Gebäude der Grenzabfertigung auf sambischer Seite übersehen wir glatt und stehen plötzlich schon vor dem namibischen Schlagbaum! Also drehen wir um und holen uns die Ausreisestempel!
Namibia
|

|
|
super Pisten bis zum Horizont
|
|
In Katima Mulilo gewöhnen wir uns einen ganzen Tag an das neue Land. Hier gibt es richtig große Supermärkte und schnelle Internetcafes, alles was das Herz begehrt. Und dann ist da noch ein komisches Klappern aus Marks Motor zu hören. Es scheinen die Ventile zu sein. Die Ventile! Das lässt schlimme Erinnerungen aus Kenia wieder hoch kommen. Wir checken das Ventilspiel und stellen fest, dass wie bei mir damals die Einlassventile ein viel zu großes Spiel haben. So scheint auch bei Mark die Nockenwelle etwas verschlissen zu sein.
Wir werfen unser Nambia Programm über den Haufen und wollen nur noch nach Windhoek, denn da gibt es wieder einen KTM-Händler, und der muss den Schlamassel wieder richten. Doch bis nach Windhoek sind es noch gut 1300 km.
Bis nach Rundu kommen wir noch mit beiden KTM’s. Hier beschließen wir Marks treue Kati lieber zurück zu lassen, um den Schaden nicht noch zu vergrößern. Zwei Tage später treffen wir in Windhoek ein.
Hier treffen wir uns mit Helga und Wolfgang, die wir in Mosambik kennen gelernt haben. Sie haben einen guten Freund, bei dem wir ein Zimmer im Haus beziehen können. So brauchen wir nicht campen und ziehen bei Doug in eine echte Männerwirtschaft ein. Der KTM-Händler hat einen Kumpel in Rundu und der sorgt dafür, dass ein LKW Marks KTM mit nach Windhoek bringt. Es dauert zwar ein paar Tage, doch dann können wir die treue Enduro wieder in unsere Arme schließen. Schnell steht auch fest, dass es wirklich die Nockenwelle ist. Eine weitere KTM steht mit dem gleichen Problem schon in der Werkstatt. So sind Ersatzteile schon unterwegs, die Mike bei uns einbauen will. Schließlich sind wir Reisende und können hier nicht vier Wochen abhängen.
Namibia ist ein ganz anderes Land als die anderen. Hier ist die deutsche Ordnung noch immer mit beiden Händen zu greifen. Auch wird hier auf vielen Stellen Deutsch gesprochen. Da muss man sich erst einmal wieder dran gewöhnen. Während wir hier nun fest sitzen kommt wenigstens die Reisebeschreibungen wieder voran.
Während wir so durch Winhoek schlendern kommt uns plötzlich ein bekanntes Gesicht entgegen. Es ist tatsächlich Marlis, die Schweizerin, die wir schon in Lusaka getroffen haben. Die nächsten Abende vergehen wie im Fluge. Sie mietet sich ein Auto und fährt mit einer Gruppe durch den Süden Namibias. Unterdessen fahren wir mit nur einer Maschine zum Sossusvlei.
Auf dem Weg dorthin treffen wir Guido, einen Schweizer KTM Piloten, der mit einer 640er Adventure die Westküste runterkam. Einen ganzen Nachmittag sitzen wir in einem Cafe und quatschen mit ihm. Er will auch nach Kapstadt, dann weiter nach Südamerika, Nordamerika, Australien und dann über Asien wieder nach Hause fahren. Er hat allerdings Jahre Zeit! Vielleicht sehen wir uns ja am Kap wieder.
|

|
|
endlich wieder Sand im Sossusvlei
|
|
|
|
Fishflußschlucht
|
|
Nun aber weiter zum Vlei, wie hier ausgetrocknete Salztümpel genannt werden. Nachdem wir Eintritt bezahlt haben, führt uns eine verrottete Asphaltstraße zu den gigantischen roten Dünen. Atemberaubend, wie sich diese roten Sandhaufen aus der Ebene erheben. Leider ist das hier ein Nationalpark, und so dürfen wir leider nicht mit unserem Wüstenschiff zwischen den Dünen herumsurfen, sondern genießen sie per pedes.
Zurück in Windhoek beschließen wir mit Marlis zusammen zum Fish River Canyon zu fahren und die 90 Kilometer gemeinsam unter die Sohlen zu nehmen. Der Fisch River Canyon ist nach dem Grand Canyon in den USA der größte Canyon der Welt. 90 Kilometer kann man in ihm wandern, der Reiseführer empfiehlt dafür 5 Tage. Leider hat der Reisbuchautor diese Rechnung ohne die superehrgeizige Eidgenossin und dem ihr in nichts nachstehenden Mark gemacht. Die beiden sind sich einig, dass man die 90 Kilometer auch locker in drei Tagen schaffen kann, äh muss!
Gemeinsam gehen wir drei einkaufen. Marlis ist Vegetarierin, so wird kein Fleisch gekauft, sondern nur gesunde Früchte. Hoffentlich unsere Verdauungstrakte kommen mit dem Karnickelfutter klar. Mark und ich kaufen später noch drei Liter Wein, man kann sich ja wenigstens die Abende am Lagerfeuer versüßen.
Die KTM lassen wir bei Doug auf dem Hof stehen und nehmen stattdessen den Nachtzug von Windhoek nach Keetmanshoop. Für die 500 Kilometer brauchen wir 12 Stunden. Wir haben die erste Klasse gebucht, doch auch hier gibt es sechs Holzliegen pro Abteil. Eins wird von uns besetzt und es kommt kein anderer Fahrgast in unsere Kabine. Wir kommen uns vor wie früher bei einer Klassenfahrt.
Am nächsten Morgen steigen wir in Keetmanshoop aus und laufen zur Hauptstraße, denn jetzt müssen wir die letzten 180 Kilometer trampen. Nach anderthalb Stunden nehmen wir auf der Ladefläche eines Pick up platz und fahren die ersten 60 Kilometer. Dann trennen sich unsere Wege und wir warten wieder auf einen Lift. Zwei Stunden später steigen wir in das Wohnmobil eines Basler Pärchens, die uns bis zum Startpunkt der Wanderung mitnehmen. Danke!
Wir schleichen uns an den Rangern vorbei und steigen kurz vor Sonnenuntergang in den Canyon ab. Im Dunkeln fängt Mark an zu kochen. Marlis und ich suchen Holz fürs Lagerfeuer zusammen, doch hier ist fast nichts zu finden, denn alle Wandersleute campen hier in der ersten Nacht. Nach den energiereichen Spaghetti und einem Schlückchen Wein kriechen wir unter freiem Himmel in unsere Schlafsäcke, denn auf ein Zelt haben wir aus Gewichtsgründen verzichtet.
Unerbittlich wirft uns unsere Wandergenossin früh am nächsten Morgen aus den Schlafsäcken. Nach einem ordentlichen Frühstück wird die überflüssige Nahrung den Tieren hingestellt, und dann geht’s los. Mark und Marlis haben sich die ersten Blasen verpflastert, ich bin Gott sei Dank noch nicht luftbereift! Die ersten 17 Kilometer sind die reinste Strapaze. Man muss die ganze Zeit von einem Stein zum anderen springen. Nach 6 Stunden haben wir die ersten 17 Kilometer geschafft. Hier machen wir ein größere Pause. An dieser schwefligen Quelle haben schon die Schutztruppler gecampt, von den weggeworfenen Dattelkernen sind ein paar aufgegangen, so wachsen hier jetzt Palmen. Deswegen heißt dieser nach faulen Eiern (wegen des Schwefelwasserstoffs aus der Schwefelquelle) stinkende Platz heute palm springs (Palmenquelle). Doch noch wollen die beiden nicht das Lager für die Nacht aufschlagen, obwohl wir schon ganz schön k.o. sind. Denn dann würde man die Tour ja nicht mehr in drei Tagen schaffen! Also weiter, wenigstens noch ein paar Kilometer.
|
|
|
hoffentlich reicht das Benzin
|
|
Bei Kilometer 20 schlagen wir unser Nachtlager auf. Es ist noch hell und so geht Mark das Kochen gut von der Hand. Marlis und ich sammeln wieder Holz für das Lagerfeuer. Als wir genug Holz beisammen haben, fängt sie doch tatsächlich an Steine für eine Feuerstelle zu sammeln! Ich glaube ihr ist der Rucksack zu leicht! Im Feuer werden dann noch ein paar Kartoffeln gegart. Nach einem Schlückchen Wein geht’s in die Falle.
Als ich am nächsten Morgen das erste Mal die Augen öffne ist es schon nicht mehr ganz dunkel. Der neue Tag schleicht sich herbei. Ich will die Augen gerade noch einmal schließen, da sehe ich das Marlis schon auf ihrem Schlafsack sitzt. Guten Morgen, es ist Zeit zum Aufstehen! Mark ist nicht gerade erbaut darüber, das wir schon um halb sechs aufstehen. Doch wie war das mit den drei Tagen?
Nach einem stärkenden Frühstück geht es los. Mark läuft vor und gibt das Tempo an, ihm folgt Marlis und ich laufe am Schluss. Heute müssen wir so manches mal den mäandernden Fluss überqueren, um jeweils die Kurven abzuschneiden. Für die herrliche Wüstenlandschaft bleibt keine Zeit, denn wir haben ganz schön auf zu holen. So rennen die beiden wie die Wilden durch den Canyon und ich habe Mühe dran zu bleiben. Zum Glück gibt es immer wieder die Flussüberquerungen, bei denen ich mich ein wenig verschnaufen kann! Wir laufen und laufen und laufen...
Gegen halb sechs denke ich das es Zeit wäre ein Plätzchen für die Nacht zu suche, doch das ist den beiden noch zu früh, und außerdem rennen hier gerade Unmassen von Pavianen herum. Marlis will nicht in der Nähe von diesen Viechern schlafen, also weiter. Wir nehmen noch eine Abkürzung und schlagen im letzten Büchsenlicht unser Lager auf. Nach dem essen verkriecht sich Marlis sofort in den Schlafsack, Mark und ich leeren am Lagerfeuer noch den Wein. Aber wir sind immerhin bei Kilometer 55, das heißt wir schaffen es tatsächlich in drei Tagen!
Im Morgengrauen stehen wir wieder auf. Die Füße unserer Wanderkameradin sehen nicht gerade gut aus, sie braucht fast die ganzen Blasenpflaster. Ich glaube nicht, dass das wandern so Spaß macht, doch das Ziel winkt. Wir nehmen auch heute wieder jede sich bietende Abkürzung und sind am frühen Nachmittag am Ziel! Hier ist eine Luxuscampinganlage aus dem Wüstenboden gestampft worden. Wir setzten uns auf die Terrasse der Kuranlage und bestellen jeder ein Bier. Campen wollen wir wegen der horrenden Kosten hier nicht. Aber die Duschen des Campingplatzes kann man ja bestimmt trotzdem benutzen, wenn man ein bisschen abgebrüht ist. So gehe wir nacheinander alle drei duschen und schleichen und im Dunkeln aus der Anlage um wild nebender Straße zu campen.
Am nächsten Morgen schlafen wir etwas länger. Die Wanderung ist geschafft, jetzt brauchen wir nur noch zurück trampen. Den ganzen Tag warten wir auf einen Lift in unserer Richtung, doch erst am Abend können wir auf der Ladefläche eines Pick up mitfahren. Auch den ganzen nächsten Tag brauchen wir um wieder bis nach Windhoek zu kommen. Wir verabreden uns für den nächsten Abend in Joes Bierhaus und trennen uns dann. Marlis läuft zum Chameleon backpacker und wir zu Dougs Haus!
Marks Kati ist dann in der nächsten Woche fertig und wir düsen runter nach Swakopmund in die Dünen. Zwei Tage surfen wir ganz legal mit unseren Wüstenschiffen im herrlichen Sand herum. Einfach herrlich so mit dem unbeladenen Motorrad durch den Sand zu fliegen. Es kommt richtiges Rallyefieber auf. Doch dann müssen wir wieder zurück nach Windhoek, denn unsere Eltern kommen uns in Johannesburg besuchen.
Zurück in Windhoek mieten wir uns einen Toyota Hilux mit zwei Dachzelten und kompletter Campingausrüstung und düsen mal eben schnell die 1500 Kilometer zum Flughafen in Johannesburg. Pünktlich kommen wir an und nehmen unsere Eltern in Empfang. In den folgenden Tagen machen wir unsere erste richtige Safari im Krügernationalpark. Unglaublich wie viele Tiere hier leben. Elefanten und Giraffen kommen bis auf drei Meter ans Auto heran. Unbeschreiblich! Sogar Löwen bekommen wir zu sehen. Doch die majestätischen Tiere liegen nur faul neben der seit vier Tagen toten Giraffe im Schatten. Man ist das ein Gestank!
Eine fahrerische Herausforderung ist erst der Sanipass im Bergkönigreich Lesotho. Mark und ich, wir können uns vorstellen was uns erwartet, unsere Eltern zum Glück nicht. Mark sitzt am Steuer und prügelt den Toyota berghoch. Mutti zieht ein Gesicht wie drei Tage Regenwetter und guckt nicht einmal mehr aus dem Fenster. Papi krallt sich auf dem Beifahrersitz mit beiden Händen an den Griff und traut sich kaum zu atmen. Ich habe das GPS in der Hand und melde alle 100 Höhenmeter die Höhe! In einer engen Kehre kommen ein paar dämliche Touris von vorn und nehmen uns doch glatt die Vorfahrt. Doch der Hilux fährt mit durchdrehenden Reifen wieder an. Wir haben noch nicht einmal die Untersetzung gebraucht. Manchmal muss man eben gemein sein, zu seinem Fahrzeug! Oben angekommen frieren wir wie die Schneider im eisigen Wind. Schnell schießen wir ein Photo und dann geht’s wieder abwärts! Lesotho ist so völlig anders als Südafrika. Mich erinnert es stark an Äthiopien.
|

|
|
Elefant im Krüger NP
|
|
Nach zwei Wochen liefern wir unsere Eltern wieder in Johannesburg ab und fahren die 1500 Kilometer wieder nach Windhoek zurück.
Hier warten wir die Motorräder mit den mitgebrachten Teilen, wie Ketten, Kerzen und den LED Rückleuchten.
Nach zwei Tagen verabschieden wir uns von Doug und fahren in den wilden Norden Namibias. Wir wollen den van Zyl’ s Pass bezwingen. Die letzte große Herausforderung auf unserer Reise! 800 Kilometer ohne Treibstoffversorgung liegen vor uns, alles off road... Jedes Motorrad ist mit 20 Litern Benzin zusätzlich beladen. Dazu kommen 15 Liter Wasser, Verpflegung für 5 Tage und ein paar Bier für den ersten Abend.
Die Verkäuferin an der Tankstelle in Kamanjab fragt mich ganz erstaunt wo wir denn das alles verstauen wollen, wir wären doch mit Motorrädern unterwegs. Wir werden es schon schaffen, beruhige ich sie. Als ich das Motorrad abbocke geht es auch ganz schön in die Knie. Zum Glück ist Marks Stossdämpfer inzwischen repariert, sonst wäre das Kaokoveld wohl nicht zu bezwingen. Wir schwingen uns in die Sättel und geben den Katis die Sporen. Bis zu den Epupa Falls wollen wir heute kommen. Das sind noch gut 300 Kilometer Piste. Doch noch ist es früh und wir sind guten Mutes. Die Piste wird gerade erneuert, und so fliegen wir regelrecht an den Kunene hinauf. Es sieht so aus als würde der Staudamm an den Wasserfällen nun doch endlich gebaut werden.
Gegen Abend erreichen wir erschöpft den Zeltplatz direkt an den Fällen. Es wird schnell dunkel! Früh am nächsten Morgen machen wir uns auf die Wasserfälle anzusehen. Paradiesisch! Herrlich! Der Fluss fächert sich in viele kleine Rinnsale auf, und die fallen in hunderten kleinen Fällen in die Schlucht. Auf den vielen kleinen Inseln die im Fluss liegen wachsen Baobabs und andere Bäume und alles ist herrlich grün. Wunderschön nach all der Wüste!
Nach einem Morgenspaziergang satteln wir die Packesel und kippen bei jedem 10 Liter Benzin aus den Wasserflaschen in die Haupttanks. Heute wollen wir bis zum van Zzl’s Pass kommen, und ihn wenn möglich auch gleich bezwingen.
|

|
|
netter Hinweis
|
|
Wir passieren Okongwati, das letzte Dorf vor der Wildnis. Hinter dem trostlosen Wüstenkaff stehen die letzten Verkehrschilder. Sie warnen uns vor herumlaufendem Vieh und Kurven auf den nächsten 103 Kilometern. Die Piste hier wird nicht mehr unterhalten, das heißt man fährt in alten Spuren durch den Busch und hofft das sie nicht hinter der nächsten Kurve aufhören. Die Piste ist es recht gut zu befahren, doch die Hitze macht uns ganz schön zu schaffen. Es sind bestimmt wieder über 40 Grad im Schatten. Ich lasse die Lüfter generell laufen, und auch Marks schalten sich so gut wie nie ab. Zum Glück haben wir frisches Öl in den Motoren, denn die Temperaturen sind bestimmt keine Erholung für die LC4 Aggregate.
Nun geht es einen leichten Hügel hinauf. Die ersten Felsentreppen meistern wir ohne Probleme. Doch auf der anderen Seite geht es steil bergab. Und die Felsentreppen die sich vor uns auftun sind dann doch von der heftigeren Art. Wir machen eine Pause und gucken uns die Bescherung an. Ich schlage vor, die Maschinen nacheinander über das Gröbste zu schieben. Gesagt, getan. Ohne Blessuren hangeln wir uns den Hang hinab. Ab jetzt gibt es kein zurück mehr, denn da kommen wir bestimmt nicht mehr hinauf! Also weiter. Es geht durch ein extrem sandiges Bachbett, doch das kann uns als erfahrenen Sandspezialisten nicht schrecken. Das schafft aber der nächste Berg, den wir jetzt hinauf müssen. Nach der Schiebeaktion von eben setzen wir uns erst einmal in den Schatten und trinken ein paar Schluck Wasser und essen ein Paket Kekse. Ausgeruht nehmen wir den Berg in Angriff. Mark läuft den Hang halb hinauf und ich nehme mit heulendem Motor den Berg in Angriff. Schnell ist die Hälfte geschafft und ich fliege an Mark vorbei. Er rennt hinter mir her. Kurz vor dem Gipfel tut sich eine fiese Treppe auf. Die wäre an sich kein so großes Problem, hätten nicht die Jeepfahrer die Löcher mit Geröll ausgefüllt, auf dem das Hinterrad keine Traktion aufbauen kann. Und wie soll ich sagen, meine Beine sind zu kurz. So falle ich im Zeitlupentempo auf die rechte Seite. Mark ist sofort bei mir. Zu zweit richten wir die Kati auf, schieben sie das letzte Stück den Hang hinauf. Nun ist Mark dran. Auch er kommt bis zur letzten Schikane! Hier warte ich auf ihn und mit vereinten Kräften bringen wir die KTM nach oben. Wir brauchen wieder eine Pause. In der letzten dreiviertel Stunde haben wir gerade mal 500 Meter geschafft!
Der Weg wird wieder etwas besser! Was heißt besser? Das heißt wir können im ersten Gang fahren und brauchen nicht mehr zu schieben. Wie Trialchampions wühlen wir uns durchs Geröll. Endlich kommt mal wieder ein kleines Flussbett. Schnell schalte ich zwei Gänge hoch und jage über den weichen Sand, herrlich wie der Fahrtwind kühlt. Einen Augenblick passe ich nicht auf, wir sind schon ganz schön erledigt, da liege ich auch schon unter der Maschine! Ein Alukoffer liegt eklig auf meinem rechten Fuß, und ich kann mich aus eigener Kraft nicht aus dieser Zwickmühle befreien. Mark kommt heran und befreit mich. Wir machen eine Pause und stellen bei einem Blick aufs GPS fest, dass wir falsch sind. Das gibt es doch gar nicht, wir haben doch gar keine “Kreuzung” gesehen. Ein paar Himbadamen, die hier oben ohne vorbeikommen, bestätigen uns das wir falsch sind und umdrehen müssen. Also wieder zurück. Und tatsächlich kommt nach drei Kilometern eine Reifenspur die in die von uns gewünschte Richtung führt.
Inzwischen ist es schon halb fünf und wir sind am Ende! Unter einem großen Baum schlagen wir in einem trockenen Flussbett unser Zelt auf. Als ich den Stiefel ausziehe, beult sich auf einer Stelle der Socken aus. Der Sturz unter dem Koffer war wohl doch nicht so ohne. Doch Jammern hilft in dieser verlassenen Gegend nicht. Das warme Bier ist wie Ambrosia und weckt die Lebensgeister ein wenig!
Früh am nächsten Morgen stehen wir auf, denn wir wollen die morgendliche Kühle ausnutzen. Die letzten Spritreserven wandern in die Haupttanks, endlich sind wir diese Belastung los!
|
|
|
nur für Verrückte, der van Zyl's Pass
|
|
Zügig, so im ersten und zweiten Gang, fahren bis zum Aussichtspunkt oberhalb des eigentlichen van Zyl’s Passes. Hier stehen drei Jeeps! Die Besatzungen stellen drei Südwester Ehepaare. Die erste Frage die sie uns stellen ist: “Wollt ihr ein Bier?” Na klar! Doug hat uns ja schon erzählt, dass die Südwester kein Wasser zum Trinken mitnehmen, sondern nur Bier! Wir quatschen eine ganze Weile mit ihnen und dann machen sie sich an den Abstieg, nicht ohne uns zu versprechen unten zwei Bier für uns in den Schatten zu stellen. Danke!
Nach einer ausgiebigen Pause machen auch wir uns an den letzten Abstieg. Nun ist es nicht mehr weit, die katastrophale Strecke endet da unten! Die Autos haben ja einen low range, die Geländeuntersetzung, mit der sie solche Gefällestrecken meistern können. Unser low range aber ist das Schieben! Mit vereinten Kräften schieben wir die Maschinen die gröbsten Felstufen hinunter! Den Fuß spüre ich kaum, logisch bei dem Adrenalin, das hier durch die Adern gepumpt wird. Doch wir sind beide schon wieder am Ende, so werden wir etwas waghalsiger und fahren immer extremere Treppen einfach hinunter, denn zum Schieben sind wir zu ausgepowert!
|

|
|
grenzenlose Einsamkeit im Kaokoveld
|
|

|
|
Wahnsinn wie die KTM hier herunterrumpelt! Nicht mal im Traum wäre ich auf die Idee gekommen, so etwas mit dem Motorrad ohne zu stürzen runter zu fahren. Und nicht mit einer leichten Sportenduro, sondern mit unseren schwerbeladenen Eisenschweinen!
Endlich sind wir unten! Für die ersten 15 Kilometer heute haben wir doch sage und schreibe 5 Stunden gebraucht! Doch im Schatten eines Bäumchens stehen vier kleine Büchsen Bier und eine Flasche Wasser! Danke an die Südwester!
Von nun an geht es auf einfach zu fahrenden Spuren durch das Bilderbuchkaokoveld! Bis zu den schroffen Bergen am Horizont erstreckt sich das gelbe Gras. Oryxantilopen springen vor den röhrenden Katis davon! Einfach herrlich so mit 80 Klamotten hier lang zu donnern, vor allem nach den Strapazen gestern und heute Vormittag!
Nach 720 Kilometern erreichen wir die erste Tankstellen, und keinen Moment zu spät, denn Mark ist schon auf Reserve!
Um uns von den Strapazen zu erholen fahren wir am nächsten Tag durch bis nach Grootfontein! Hier steigen wir auf dem Campingplatz “Die Kraal” ab. Hier soll es laut Reiseführer die besten Steaks ganz Namibias geben, und die gibt es! Johann, der Inhaber ist gebürtiger Deutscher! Nach zwei Jahren bei der Bundeswehr, hat er als Söldner im Kongo gekämpft, war dann Großwildjäger in Namibia, hatte dann eine Kneipe in Spanien und führt jetzt mit seiner Frau den Platz hier. Zwei Tage erholen wir uns hier und quatschen mit dem alten Haudegen, bevor wir uns auf den Weg nach Botswana machen!
Botswana
|

|
|
Chapmans Baobab, 5000 Jahre alt
|
|
Wir kommen von Norden nach Botswana herein und fahren gleich am ersten Tag bis nach Maun, dem Tor zum Okavangodelta. Der Okavango entspringt in den Bergen Angolas und fließt dann nach Süden. In der Kalahari fächert er sich dann auf und verdunstet und versickert. Dieses Delta, mit seinen Tausenden Inseln ist ein nahezu einzigartiges Ökosystem, in dem sich unendlich viele Tiere tummeln. Wir wollen mit einem Kanu darin herum paddeln, deswegen fahren wir nach Maun. Doch die Stadt ist eine Enttäuschung, es ist einfach nur ein Wüstenkaff, mit extremen Touripreisen.
Das mit dem Paddeln können wir uns jedenfalls abschminken, denn ohne Begleitung ist das viel zu gefährlich. Huuuuh! Angst! Auch selber paddeln ist unmöglich, denn als Weißer ist man ja nicht an Arbeit gewöhnt und darf sich nur von einem Schwarzen herumpaddeln lassen! Auf so eine perverse Touriabzocke lassen wir uns aber nicht ein. So verzichten wir auf das Okavangodelta und fahren weiter nach Süden zu den großen, ausgetrockneten Salzseen.
Ziel ist die Suapfanne, auf ihr wollen wir von Kubuisland quer rüber nach Kukonjeisland fahren. Im Reiseführer wird zwar eindringlich davon abgeraten, da sie zu feucht ist. Doch ist der Reiseführer für Autos geschrieben, und wir mit unseren leichten Motorräder schaffen das sicher locker. So starten wir von Kubuisland, um die 40 Kilometer nach Osten zu fahren. Wir verlassen uns auf den Pfeil des GPS und jagen mit hoher Geschwindigkeit über die Pfanne. Nach 8 Kilometern wird die Pfanne etwas feuchter, doch mit etwas mehr Gas ist das kein Problem. So eiert das Hinterrad ab und zu ein bisschen, aber das ist ja nicht so schlimm.
|

|
|

|
|
Salzseeaction, jetzt wird's sumpfig
|
|
Bei Kilometer 19 fährt sich Mark dann das erste Mal fest, das Hinterrad ist bis zur Achse eingesackt. Zu zweit befreien wir die Kati und weiter geht's. Man kann jetzt leicht dunklere also feuchtere Flecken ausmachen. Diese versuchen wir zu umfahren, denn die Hälfte ist geschafft. Es müsste also langsam wieder trockener werden. Doch erst einmal wird es feuchter. Dicht nebeneinander fahren wir uns beide fest. Also helfen wir uns gegenseitig wieder heraus. Beim Anfahren sinken die Hinterräder sofort wieder ein. Scheiße, was soll denn das? Wir sind mitten auf dem Salzsee. Kein Baum, kein Schatten, nur die heiße Sonne und gut 40°C. Also wieder die Klamotten ausziehen und die Maschinen wieder befreien. Dann ziehen wir uns die Motorradklamotten wieder an. Aufsitzen geht nicht, so lege ich den ersten Gang ein und schiebe das Motorrad mit Motorkraft an. Mark ist etwas schneller als ich und zieht an mir vorbei, er springt sogar auf die Maschine auf und schafft dann so gut 50 m. Dann ist vom Hinterrad nichts mehr zu sehen. Ich komme ausgepumpt neben ihm an. Zu zweit hieven wir wieder die Maschine aus dem Dreck. Dann weiter. Als erstes mein Motorrad. Ich schiebe am Lenker und Mark hinten. Wir kämpfen uns 200 m weiter, dann stellen wir das Motorrad ab und holen Marks. Es ist heiß wie verrückt, so 40 Grad im Schatten, nur leider gibt es hier auf dem Salzsee keinen Schatten, und die gleißende Oberfläche reflektiert auch noch. Wir trinken jeder Wasser wie Kamele nach einer Saharadurchquerung. Mark hat die Schnauze voll, er will umdrehen, doch ich kann ihn wie schon am van Zyl' s Pass neu motivieren, und wir kämpfen uns weiter. Immer zu zweit eine Maschine schieben, dann zurücklaufen, und die andere Karre schieben, dann muss einer von uns noch einmal zurück laufen und die Jacken, Hosen und Helme holen. Wir sind beide gereizt, denn wir sind ganz schön fertig. Nach drei Stunden gebe ich nach und wir drehen um, denn die Motorräder sacken jetzt ein, sowie sie herausgewuchtet sind aus den Spurrinnen. Wir nehmen das Gepäck ab, denn mit schaffen wir es nicht mehr, die Motorräder zu bewegen, denn die sacken sofort ein! Was für eine elende Quälerei! Ich bin am Ende. Immer öfter schiebt Mark beide Motorräder und ich Laufe nur noch mit den Klamotten hin und her. Doch jetzt müssen wir ja auch noch das Gepäck hinter den Motorrädern hertragen. Ich bin kaputt, und das Wasser ist auch schon knapp, wir fangen an es zu rationieren. Jeder nur noch fünf Schluck. Ich weiß nicht wie lange wir uns so quälen, doch wir beschließen hier zu schlafen und morgen früh weiter zu ackern. Nachdem der Entschluss gefasst ist, machen wir einen kleinen Spaziergang und entdecken, dass wir nur noch 50 m von der Stelle weg sind, an der wir uns das erste Mal festgefahren haben. Also das Stück schaffen wir nun auch noch! Ich bin kaputt, beim Anschieben kriege ich einen Krampf in der Wade, doch auf solche Kinkerlitzchen kann ich jetzt keine Rücksicht nehmen, also beiße ich die Zähne zusammen und wurschtel mich durch. Endlich sind wir raus aus dem Dreck, ich drehe rechts auf Spaß und lasse das feuchte, nach frischem Beton riechende Salz hinter mir. Ich bin heilfroh, dass auch Mark raus ist aus dem Dreck, ich weiß nicht, ob ich noch einmal hätte umdrehen können.
500 m vor KubuIsland verbringen wir die Nacht auf dem Salz. Früh am nächsten Morgen machen wir uns auf den Weg nach Francistown, um uns dort mit den MAN Leuten zu treffen!
Nach zwei Tagen mit ihnen machen wir uns auf den Weg nach Durban, wo Marlis schon auf uns wartet.
Südafrika
|

|
|
Hole in the Wall an der Wild Coas
|
|
In wenigen Tagen rollen wir die 2500 Kilometer von Francistown nach Durban ohne Pause durch. Herrlich einfach so durch die Weite Afrikas zu fahren, noch dazu ganz entspannt auf guten Asphaltstraßen.
In Durban erwartet uns unsere eidgenössische Wandergefährtin schon. Noch in Namibia haben wir beschlossen hier unten noch einmal zusammen wandern zu gehen. Wir, dass heisst Marlis und Mark, haben uns für den 280 Kilometer langen wild coast hiking trail entschieden. Die beiden haben errechnet, das wir das locker in neun Tagen schaffen, wenn das Wetter halbwegs mitspielt. Eventuell brauchen wir sogar nur 8 Tage. Ich traue mich gar nicht zu widersprechen, denn in ihren Mienen kann ich lesen, dass nur Weicheier langsamer sind.
Doch bevor wir starten können, brauchen die Katis mal wieder ein paar Streicheleinheiten. Die bekommen sie in der Werkstatt der südafrikanischen Motorradlegende Alfie Cox. Doch auch er ist kein Übermensch, sondern muss so manches null acht 15 Teil in Johannesburg bestellen. Trotzdem war es schön mal mit einer lebenden Legende gequatscht zu haben.
Mit frisch gewarteten Motorrädern machen wir uns nun zu dritt auf den Weg. Ja zu dritt, Marlis beißt die Zähne zusammen und fährt hinten bei mir mit, ihr Gepäck ist kunstvoll auf Marks Maschine verzurrt.
|

|
|
in den Drakensbergen
|
|
Die Wanderung beginnt in Port Edwards, bis dahin sind es nur 120 Kilometer von Durban aus. Am Ende dieser kurzen Etappe vermutet Marlis Schwielen an unseren Allerwertesten! Quatsch, wir sind schlimmeres gewöhnt, und die durchtrainierte Muskulatur ist in der Lage den Druck zu absorbieren.
Die wild coast ist ein 300 Kilometer langer Küstenstreifen, der so rau und abweisend war, dass sich die Europäer und später die Afrikaaner nie dafür interessierten, deswegen ist er noch völlig unerschlossen und wurde während der Apartheid als homeland benutzt. Die Landschaft ist herrlich, grüne Hügel, tiefe Täler und die herrlichen Strände. Einfach atemberaubend. Es ist herrlich hier entlang zu wandern, die vielen kleinen Flüsse zu durchwaten, und abends unter diesem herrlichen Sternenhimmel zu schlafen.
Am zweiten Tag kommen wir nach nur drei Kilometern an einen herrlichen Fluss. Er fällt in mehreren Stufen die Klippen herunter und bildet immer wieder zum Baden einladende Pools. Etwas stromaufwärts bildet er sogar einen richtigen See, in den sich ein herrlicher Wasserfall ergießt. Wir können nicht wiederstehen und machen eine ausgiebige Bade- und Waschpause.
Ab und zu müssen breite Flüsse überquert werden, an manchen gibt es Fähren, oder Fischerlodgen, deren Personal uns mit Kanus übersetzt.
Aber ab und zu muss man auch hinüberwaten. Anfangs habe ich dabei ein flaues Gefühl in der Bauchgegend, ständig denke ich an die Warnung von Bernice, dass in den Flüssen Haie herumschwimmen. Doch es hilft alles nichts, wir müssen hinüber. In Badehosen erkundet Mark den Strom. Das Wasser reicht ihm bis zur Brust! Wir wechseln also alle wieder in die Badesachen und waten hinüber, Mark ganz Kavalier trägt auch Marlis’ Rucksack hinüber, denn das ist ihr zu heiß. So kommen wir recht gut voran!
Ab und zu kehren wir in einsamen backpackern ein, um der Körperhygiene genüge zu tun. Seit wir in weiblicher Gesellschaft unterwegs sind, nehmen wir wieder mehr Rücksicht auf unsere Mitmenschen, in dieser Beziehung. So sind sie eben, die Frauen, sie legen auf kleine und total überflüssige Dinge Wert.
Gefährlich wird es auf der Wanderung auch noch. Wir kommen an ein Naturschutzgebiet. Um es zu durchqueren müssen wir ein Permit, eine Erlaubnis, bei der Parkverwaltung kaufen. Die Ranger bestehen darauf, dass wir unbedingt einen Führer anheuern müssen, damit wir nicht überfallen werden. Wow, nette Werbung für das Land, ohne body guards werdet ihr überfallen! Wir verabschieden uns nett, ohne etwas zu bezahlen, denn wenn der Weg so gefährlich ist, dann wollen wir ihn nicht entlang wandern. Zurück im backpacker lachen wir uns über diese Art der Arbeitsvermittlung halb tot.
|

|
|
unser Nachtlager
|
|
Am nächsten Morgen starten wir früh durchs Naturschutzgebiet, natürlich ohne permit und Führer. Kein Schwein sieht uns. Glück gehabt, und die Reisekasse geschont. Gegen Mittag sehen wir, dass zwei Typen uns verfolgen. Scheiße, die wollen jetzt das permit kontrollieren! Naja Marlis wird schon eine herzzerreißende Story erfinden, um uns alle heraus zu hauen. Die beiden kommen näher. Höflich rufen sie: “Please, wait! Please, wait!” (Bitte warten sie!) Also halten wir an. Der Chef der beiden ergreift wieder das Wort, doch er verlangt nicht das permit zu sehen, sondern meint ganz aufgeregt: “Give me my money, or I give you a shit!” (Gib mir mein Geld, oder ich gebe die Scheiße! (oder einen Schuß?)) Aus dem Augenwinkel sehe ich, wie Mark sich seines Rucksack entledigt. Auch ich zögere keinen Augenblick länger und werfe die Last ab. Endlich kommt unsere Kampfausbildung mal zum Einsatz, auch wenn die Gegner nur zwei 16 jährige Hänflinge sind...
Mit einem ohrenbetäubenden Kampfschrei stürzen wir uns auf die beiden, die sofort die Hasenpanier ergreifen! Wir setzen ihnen nach, doch nicht lange. Als wir zu unseren Rucksäcken zurückkehren, steht Marlis immer noch mit runtergeklapptem Kiefer da. Das Adrenalin pumpt durch meine Adern, ich zittere am ganzen Körper. Doch die Spannung löst sich schnell und wir führen Neidreden über diese Aushilfsräuber.
Nach sechs Tagen und 160 Kilometern verschlechtert sich das Wetter weiter und wir brechen die Wanderung ab, um auf den Katis sonnigere Gefilde aufzusuchen. Zu meiner großen Freude nimmt Marlis wieder auf meinem Sozius platz!
|

|
|
ein etwas anderes Verkehrsmittel
|
|
Unser nächstes Ziel ist Oudtshorn! Am 15.10.2005 erreichen wir den Ort, der berühmt ist für seine Straußenfarmen. Heute sind wir genau seit einem Jahr unterwegs. Zur Feier des Tages machen wir einen kleinen Braai, wie die Afrikaaner zum Grillfest sagen. Zuvor jedoch geht es zu einer dieser Straußenfarmen, denn auf dem Federvieh kann hier geritten werden. Und das ist für Mark und mich natürlich die Herausforderung schlechthin, auch wenn unsere Begleiterin das total doof findet. Schnell haben wir ein Farm gefunden. Man muss eine Führung mitmachen, an deren Ende man reiten darf. So bezahlen wir drei unseren Obolus und hören uns eine halbe Stunde alles Wissenswertes über die Viecher an. Man darf sich sogar auf die Eier stellen, und die halten das tatsächlich aus. Doch endlich kommt es zum Ausritt. Wie Clint Eastwood und Winnetou schwingen sich Mark und ich auf die Vögel. Die Viecher sind recht einfach zu reiten. Man setzt sich auf den Rücken, schiebt die Beine unter die Flügel und hält sich an denselben fest. Sowie man draufsitzt, wird dem Vogel der Sack vom Kopf gezogen und er rennt mit einem im Gehege herum. Mark wird beinahe abgeworfen, doch seine Reflexe sind geschult und er macht nur einen Abgang, der Marlis auf die Knie zwingt, allerdings vor lachen! Nun ist sie erst recht davon überzeugt, das Reiten auf Vögeln einfach nur doof ist!
Am nächsten Tag machen wir uns auf zur Cango Cave! Es ist die größte Tropfsteinhöhle in Südafrika, und was viel wichtiger ist, man kann in ihr eine Adventuretour, Abenteuertour, machen, die nur für dünne Menschen empfohlen wird. Unser Ehrgeiz ist also geweckt, wieder einmal. Außer uns sind noch vier weitere Amateurhöhlenforscher bereit die anstrengende Tour zu absolvieren. Es sind zwei Männer und zwei Frauen. Die Kerle sind aber alles andere als dünn. Und tatsächlich müssen die beiden Fettsäcke aufgeben. Wenn man nicht mal in der Lage ist, 100 m in einer Minute zu laufen, dann sollte man nicht bei einer Adventuretour mit machen, jedenfalls nicht, wenn es sich nicht um eine Computersimulation handelt. Bei einer Deckenhöhe von 30 cm ist für sie einfach Schluss! Doch wir drei kämpfen uns durch und ziehen die verlassenen Frauen mit. Nach zwei anstrengenden Stunden sehen wir das Tageslicht wieder und sind froh diese Tour gemacht zu haben, denn so durch den Berg zu kriechen ist schon was ganz anderes als in der Baumannshöhle herumzustolpern!
Unser weiterer Weg führt uns entlang der Route 62, der längsten Weinstraße der Welt. Selbstverständlich kehren wir so manches Mal zu einer Weinverkostung ein. Glücklicherweise kontrolliert der Trachtenverein in ZA so gut wie nie, ob man getrunken hat, denn dann müssten sie 75% der Verkehrsteilnehmer aus dem Verkehr ziehen!
|

|

|
|
R 62, die längste Weinstraße der Welt
|
Kapstadt
|
|
Endlich erreichen wir Kapstadt! Einerseits sind wir glücklich am Ziel zu sein, andererseits können wir uns nicht vorstellen, das diese Reise schon wieder zu Ende sein soll! Doch noch haben wir ja zwei Wochen Zeit, und der Heimflug muss auch noch gebucht werden, vielleicht geht ja da was schief und wir können so noch ein paar Tage schinden!
|

|

|
|
Marlis auf dem Lion's Head über Kapstadt
|
am Ziel, das Kap der Guten Hoffnung
|
|
Doch bevor es nach Hause geht, besteigen wir die drei Berge Kapstadts, fahren zum Kap der Guten Hoffnung und ich und Marlis wir werden ein Paar. Diese zwei Wochen schwebe ich auf Wolke sieben und sehe alles durch eine rosarote Brille! Das hat allerdings nichts mit KTM zu tun!
Der Abschied wird dann echt schwer!
|

|
|
die KTM's vor dem Flugzeug
|
|
Unser Flug ist ein Tagflug! Wir steigen morgens um sieben in den Flieger und landen abends um sieben, bei einer Stunde Zeitverschiebung, in Düsseldorf. Hier erwartet uns schon Matthias, der uns zu seinem Heim geleitet. Kathrin, seine Frau ist eine alte Studienfreundin von mir, hat das Abendbrot auf dem Tisch und wir quatschen bis spät in die Nacht. Am nächste Morgen bringen uns Matthias und sein Sohn Adrian wieder zum Flughafen. Hier eisen wir unser Katis aus dem Zoll und reißen die 700 Kilometer nach Hause auf der BAB ab. Bei Helmstadt überqueren wir die Grenze zur DDR ganz ohne Ausweis zeigen! 5 Stunden später sind wir daheim, wo wir unsere Heimkehr mit der Familie gebührend feiern!
Nachtrag Webmaster: Jetzt ist Februar 2009. Ich bin dabei den Bericht an das Design unserer überarbeiteten Webseite anzupassen. Dabei ist mir aufgefallen, dass die Bilder vom ersten Teil immer noch nur die mickrige Auflösung aus den Mails von unterwegs haben. Also, Mark und Gerd, falls Ihr das hier lest denkt bitte auch mal daran, dass wir da noch was machen wollten.
|